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Besser baden als waschen

 

Die richtige Babypflege ist ein umstrittenes Thema. Bislang basierte sie überwiegend auf Tradition – nun liegen mit neuen Studien wissenschaftliche Erkenntnisse vor, aus denen erstmals verbindliche Pflegeempfehlungen für Babys abgeleitet werden können.

 

Zum Thema Hautpflege bei Babys gibt es viele Meinungen, aber kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Eltern informieren sich vorwiegend durch Gespräche mit den eigenen Müttern, der Hebamme oder im Internet. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Praktiken aus. „Es fehlen international einheitliche Pflegeregeln“, sagt Dr. Natalie Garcia Bartels, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Charité − Universitätsmedizin Berlin. „Selbst innerhalb einer Klinik werden manchmal unterschiedliche Methoden praktiziert.“ Die Medizinerin hat an zwei zur Veröffentlichung eingereichten Studien mitgearbeitet, die das Thema Babypflege in Kooperation mit Johnson & Johnson wissenschaftlich beleuchten.

 

Babyhaut ist nicht gleich Erwachsenenhaut

Bisher gingen Fachkreise davon aus, die Haut eines Kindes sei bei der Geburt, spätestens einige Wochen danach, vollständig entwickelt und benötige somit keine besondere Pflege. Aktuelle Studien widerlegen diese Annahme. Die Untersuchungen ergaben vor allem interessante Ergebnisse zum Thema Feuchtigkeit (1). So kann Babyhaut beispielsweise mehr Wasser aufnehmen als die Haut von Erwachsenen[1]; außerdem enthält die oberste Hautschicht bei den Kleinen deutlich mehr Feuchtigkeit. Allerdings verliert Babyhaut auch schneller Wasser und der Anteil natürlicher Feuchtigkeitsbinder ist geringer. Fazit: Babyhaut nimmt zwar mehr Wasser auf, gibt es aber auch leichter wieder ab als Erwachsenenhaut. Insgesamt bedeuten die Ergebnisse, dass die Barrierefunktion der Haut keineswegs mit der Geburt oder wenige Wochen danach ausgereift ist. Vielmehr bestehen die Unterschiede zur Erwachsenenhaut mindestens im gesamten ersten Lebensjahr (1, 2).



[1] Vergleich der Hautfunktion von 124 Säuglingen zwischen drei und zwölf Monaten und 104 Erwachsenen zwischen 14 und 73 Jahren.

 

 

Baden ist besser als Waschen

An der Hautklinik der Berliner Charité hat sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi dem Thema „Pflege der gesunden Säuglingshaut“ angenommen. Die beiden dort durchgeführten klinischen Studien (3, 4) „liefern erstmals kontrollierte standardisierte Daten zum Vorgehen in der Babypflege“, betonte die Leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Adäquate Hautpflege beginnt nach ihrer Überzeugung mit dem Tag der Geburt. Denn die richtige Pflege kann, das zeigen die Studien, die Reifung und Anpassung der Haut an die postnatale Umgebung
unterstützen.

 

In der ersten Studie wurden Säuglinge vier Wochen lang zweimal wöchentlich in klarem Wasser gebadet oder mit einem Waschlappen gewaschen (3). Die Dermatologen haben in dieser Phase unterschiedliche Werte gemessen: Wasserverlust über die Epidermis, Feuchtigkeitsgehalt in der Hornschicht, pH-Wert sowie Fettgehalt der Haut an verschiedenen Körperstellen. Die Untersuchungen ergaben, dass Baden im Vergleich zum Waschen einen positiven Einfluss auf den Feuchtigkeitsgehalt und die Barrierefunktion der Haut hat [1].

 

Pflegeprodukte verbessern die Schutzfunktion

In der zweiten Studie (4) prüften die Mediziner der Berliner Charité den Einfluss ausgewählter Pflegeprodukte auf die Hautschutzbarriere[2]. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass ein babyspezifischer Badezusatz und eine Pflegecreme, zweimal wöchentlich angewendet, die Barrierefunktion der Haut verbessern[3]. „Klares Wasser schadet nicht, aber eine zweimal wöchentliche regelmäßige Pflege mit Badezusatz und Creme verbessert die Hautbarriere, selbst bei Säuglingen mit klinisch gesunder Haut“, fasste Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi die Ergebnisse der Charité-Studien zusammen.

Auf Basis dieser neuen Erkenntnisse und der Empfehlungen eines europäischen Experten-Roundtables (5) entwickelt Johnson &
Johnson derzeit gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi einheitliche Pflegeempfehlungen für die gesunde Säuglingshaut – die wichtigsten zum Thema Baden und Waschen lauten:

 

· Babys sollten zwei- bis dreimal pro Woche gebadet werden (in warmen

Ländern, je nach kulturellen Gegebenheiten, auch öfter).

 

· Die Raumtemperatur sollte über 22 Grad Celsius betragen, die Wassertemperatur 37 bis 38 Grad Celsius.

 

· Das Bad sollte nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauern und das Kind sollte anschließend sanft, aber rasch abgetrocknet werden, um eine Auskühlung zu vermeiden.

 

· Ein milder Babybadezusatz hat positive Auswirkungen auf die Babyhaut und eignet sich für die schonende Reinigung besser als klares Wasser.

 

· Der Badezusatz sollte speziell für Babyhaut entwickelt und flüssig sein (keine Seife).

 

· Es wird empfohlen, Säuglinge nach dem Baden mit einer Babypflegecreme einzucremen.

 

Diese Pflegeempfehlungen sollen Eltern und Fachkreisen Orientierung und Sicherheit geben. Auch an der Berliner Charité ist inzwischen ein auf diesen Empfehlungen basierendes, klinikübergreifendes Konzept für die optimale Babypflege etabliert worden, das bei Pflegekräften, Hebammen und Eltern zurzeit evaluiert wird.

 

Quelle: Fachpressegespräch „Diskussion Babypflege – Evidenzgestützte Pflegeempfehlungen bieten Orientierung“. Berlin, 17. Juni 2009.

 

Literatur

(1) Nikolovski J. et al., J Invest Dermatol 2008; 128: 17281736

(2) Stamatas G. N. et al., Ped Dermatol 2009 (in press)

(3) Garcia Bartels N. et al., Skin Pharmacol Physiol 2009 (in press)

(4) Garcia Bartels N. et al., Ped Dermatol 2009 (submitted)

(5) Blume-Peytavi U. et al., J Eur Acad Dermatol 2009; 23: 751−759



[1] So war der Wasserverlust bei gebadeten Säuglingen deutlich niedriger, der Feuchtigkeitsgehalt der Haut wesentlich höher als bei gewaschenen Kindern.

 

[2] Dazu wurden die Säuglinge in vier Gruppen aufgeteilt und zwei Monate lang zweimal
wöchentlich gebadet: Gruppe 1 mit Badezusatz (Kopf-bis-Fuß Waschgel von Penaten®); Gruppe 2 ohne Badezusatz und mit Pflegecreme (Pflegecreme Gesicht & Körper von Penaten) danach; Gruppe 3 mit Badezusatz und anschließendem Eincremen; Gruppe 4 ohne Badezusatz und ohne Creme.

 

[3] Die Säuglinge in Gruppe 1 wiesen eine stärkere Abnahme des pH-Wertes auf, was auf eine raschere Entwicklung des Schutzmantels hindeutet. Bei den Gruppen 2 und 3 stellten die Forscher einen geringeren Wasserverlust und einen höheren Feuchtigkeitsgehalt fest.

 






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