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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Interview mit Milena Baisch

Milena Baisch

Interview mit Milena Baisch

AS: Liebe Milena Baisch,
wann haben Sie diesen Hubbel das erste Mal bemerkt?

MB: Den habe ich wohl schon immer, gemerkt habe ich es nur daran, dass ich kein Buch auf dem Kopf balancieren kann, weil es immer abrutscht. Mein Freund hat die Theorie aufgestellt, dass der Quatsch, den ich manchmal erzähle, aus dem Hubbel kommt. Die ganze Hubbel-Sache ist natürlich nicht so ernst gemeint!

AS: Mit 19 Jahren haben Sie bereits Ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Seit wann schreiben Sie und wie kam es zu diesem „frühen“ Erfolg?

MB: Die erste Geschichte, die erschienen ist, war eigentlich auch die erste, die ich geschrieben habe. Natürlich schreibt man während der Schulzeit viele Geschichten, zum Beispiel bei Aufsätzen. Und man denkt sich auch ständig was aus, ohne es aufzuschreiben. Ich glaube, das macht jeder Mensch. Aber die erste Geschichte, bei der es die Idee gab, dass es ein Buch werden könnte, habe ich mit 18 geschrieben. Dazu gekommen ist es, weil meine Mutter (Cris Baisch) auch Kinderbücher geschrieben hat. Sie hat die Geschichten erzählt, die sie mit ihren echten Kindern – also mit meinen Geschwistern und mir – erlebt hat. Die Kinder in ihren Büchern hießen auch so, z.B. geht es in dem Buch „Die kleine Wolke, die mal rennen wollte“ um ein Mädchen namens Milena. Das fand ich als Kind super. Und ich hatte mich schon daran gewöhnt, dass mein Leben und Kinderbücher irgendwie was Ähnliches sind.

AS: Sie haben zunächst Kinderbücher geschrieben und dann beschlossen Drehbuch zu studieren. Was ist besonders reizvoll für Sie am Schreiben für Film und Fernsehen?

MB: Es ist nicht so ein großer Unterschied, denn Geschichten sind Geschichten. Jede Geschichte hat eine Form, die am besten zu ihr passt, und es ist schön, wenn man sich aussuchen kann, ob man eine Idee lieber als Film oder als Buch entwickelt. Ein Vorteil beim Drehbuchschreiben ist, dass man mit anderen Leuten zusammen arbeitet und sich überraschen lassen kann, was am Ende herauskommt. Es macht auch einfach Spaß, sich Szenen auszudenken.

AS: Ihr Debütroman „Blumen im Bauch“ ist wirklich gelungen. Meinen herzlichen Glückwunsch dazu! Beim Lesen entsteht der Eindruck, als ob die Autorin diese Geschichte nicht nur „erfunden“ sondern auch teilweise erlebt hat. Wie viele der Gefühle, Gedanken und Taten der schwerverliebten und zwischen den Eltern hin- und her gerissenen Maja beruhen auf Ihren eigenen Erlebnissen und Empfindungen? Oder handelt es sich wirklich „nur“ um eine fiktive Story?

MB: Erstmal vielen Dank für die Blumen! Die Geschichte von Maja ist komplett frei erfunden. Ich bin aber selbst ein Scheidungskind und habe viele Scheidungskinder in meinem Freundeskreis. Den meisten macht es auch Jahre später noch viel aus, wenn ihre Eltern sich getrennt haben. Darum habe ich auch mit Erwachsenen schon oft über das Thema geredet. Mir ist aufgefallen, dass sich vieles wiederholt. Zum Beispiel bestimmte Gefühle, die die Scheidungskinder empfunden haben, aber nicht beschreiben können. So entstand die Idee, dass ich versuchen wollte, die unbeschreibbaren Gefühle in einem Buch zu beschreiben.

AS: Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie einen Jugendroman geschrieben haben? War das Ihr Wunsch oder auch Traum oder kam der Anstoß von anderer Seite?

MB: Mein Wunsch und Traum war schon lange, eines Tages einen Roman zu schreiben. Aber ich habe mir vorgestellt, dass man dazu viel Lebenserfahrung und auch viel Schreiberfahrung und schneeweiße Haare haben muss. Der Vorschlag kam vom Verlag, das war natürlich sehr verlockend, also habe ich eine Ausnahme gemacht. Eigentlich bin ich nämlich immer noch der Meinung, dass ich erst Romane schreiben will, wenn ich alt bin.

AS: Über welche Neuerscheinung dürfen sich die Leser demnächst von Ihnen freuen? An welchen Projekten arbeiten Sie gerade oder sind geplant?

MB: Zur Zeit arbeite ich an verschiedenen Kinderbüchern und Drehbüchern und endlich auch an Kinder-Drehbüchern! Darüber freue ich mich besonders. Das neueste Buch, das erscheint, ist ein Bilderbuch zu Weihnachten. Es heißt „Die kleine Maus im Weihnachtsland“ und handelt von einer Maus, die unbedingt verschenkt werden will.

AS: Ich muss noch einmal auf diesen Hubbel zurück kommen. Wie sehr bestimmt er den Autorenalltag von Milena Baisch?

MB: Oh, wenn der Hubbel sich zu viel ausdenkt, setze ich einen Hut auf. Ganz einfach.

Zum Schluss noch ein paar persönliche Fragen:

AS: Welches Buch / Autor haben Sie als Kind am liebsten gelesen?

MB: Ich habe sehr gerne Bücher von Astrid Lindgren gelesen und von Erich Kästner, das Sams habe ich auch geliebt und Detektivgeschichten von Enid Blyton. Jugendbücher über alle möglichen (meistens ja ganz schön problematischen) Themen habe ich auch gerne gelesen.

AS: Was würden Sie schreibbegeisterten Kids empfehlen?

MB: Schreibt nur Ideen auf, die ihr wirklich wahnsinnig gern habt, sonst macht ihr euch zu viel unnötige Arbeit. Denkt euch verrückte Sachen aus, und habt sie gern! Und wenn ihr Lust habt, jeden Satz mit „und“ anzufangen und dauernd „dann“ zu sagen, dann macht das ruhig (aber verratet es nicht euren Lehrern!).

AS: Was schätzen Sie an anderen Menschen?

MB: Wenn sie eine eigene Meinung haben, eigenen Geschmack, eigenen Humor. Überhaupt, wenn sie was ganz Eigenes sind. Besonders gut sind doch immer so kleine Marotten, daran erkennt man Menschen sicher wieder und freut sich jedes Mal, dass sie immer noch die alten sind. Aber es gibt natürlich noch viel mehr wichtige Eigenschaften.

AS: Und was gefällt Ihnen überhaupt nicht?

MB: Leute, die sich zu sehr an anderen orientieren und nie von selber über etwas nachdenken.

AS: Liebe Milena Baisch, vielen Dank für das Interview und alles Gute
für Ihre Zukunft.

MB: Vielen Dank!

Das Interview führte Antje Szillat im August 2007

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