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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Interview mit Sabine Bohlmann

Sabine Bohlmann

Hattest Du das, was man eine „glückliche Kindheit“ nennt, habt ihr zu Hause oft gelacht und glaubst Du, Du gibst an Deine Kinder das weiter, was Du selber von Deinen Eltern bekommen hast?

Ich hatte wirklich eine wunderbare Kindheit – Lustig, geborgen – meine Mutter war fast immer zu Hause wenn ich aus der Schule kam – was ich sehr genossen habe und natürlich versuche ich meinen Kindern möglichst viel davon weiter zu geben – Familie steht bei mir an oberster Stelle – die Kindheit ist die Basis für das ganze Leben und ich möchte diese wenigen Jahre, in denen meine Kinder Kinder sind, so oft ich kann für sie da sein.

Und, seit wann praktizierst Du das „Mary-Poppins-Prinzip“ -bist Du ganz intuitiv auf diese Ideen gekommen, oder gab es ein „Schlüsselerlebnis“?

Ich bin da so reingerutscht – irgendwie fängt das mit den Kindern ja ganz harmlos an, man merkt plötzlich – jetzt muss ich erziehen – jetzt geht das erziehen richtig los – und da bemerkte ich – dass ich einerseits von meinen Kindern nicht veräppelt (ist das ein Wort? Ver – honepiepelt – ver – arscht – tschuldigung – das ist wohl etwas hart aber mir fällt kein liebevolleres Wort dazu ein – also mit anderen Worten – ich möchte nicht, dass meine Kinder mir auf der Nase rumtanzen ) und andererseits bemerkte ich, dass ich eine ganz furchtbar schlechte „Schimpferin“ bin. Ich mochte die Sätze nicht, die aus mir raus kamen und auch nicht die Stimme – aber am wenigsten mochte ich die Stimmung die in der Luft liegt und wie ich mich danach fühlte – ich war total angestrengt vom Streng- sein (wahrscheinlich heißt es deshalb streng – an – ge – strengt – weil streng sein anstrengt?) Und ich suchte nach einem Weg, lockerer zu erreichen, was ich wollte – eben mit Spaß und Fantasie.

Viele Freunde meinen: „das wäre mir zu anstrengend – mir immer was auszudenken – wie man fröhlich aus einer Situation herauskommt“ – aber ich kann nicht glauben, dass sie nach einem „Kampf mit Kindern“ entspannt sind.

Ist Dein Mann genauso entspannt und humorvoll wie Du – und – wie teilt Ihr Euch Berufs- und Familienleben?

Wir ergänzen uns schon sehr sehr gut. Wir sind beide ziemlich albern veranlagt! Außerdem sind wir beide freiberuflich tätig – mein Mann ist Industrie-Designer. Wir teilen uns Arbeit und Haushalt und Kinder (na ja, die Kinder teilen wir nicht wortwörtlich – eher die – Hinfahr – Abhol – Hausaufgabenbetreuung etc.)- das klingt jetzt so perfekt – ist es aber natürlich nicht immer – denn entweder haben wir beide viel zu tun oder beide weniger – jeder Tag ist anders und wir müssen ziemlich flexibel sein. Wir alle vier.

Du arbeitest viel als Synchronsprecherin in Sachen Kinderfernsehen – glaubst Du, das hilft Dir dabei, öfters mal den kindlichen Standpunkt einzunehmen?

Ich glaube entweder hat man sich ein Stück Kindheit bewahrt oder nicht – Der einzige Vorteil, den meine Kinder vielleicht dadurch haben – hier kann mal ein Sockenmonster mit Lisa Simpsons Stimme sprechen und das ist lustig – aber ob Lisa Simpson Stimme oder irgend eine andere – jeder hat ein Potenzial an Stimmen in sich – es geht eher darum den Mut zu haben sie heraus zu holen.

Was machst Du, wenn Du einen schlechten Tag hast?

Erst mal sag ich es allen um mich rum – damit sie wissen, wie sie heute bei mir dran sind – dass man mit mir vorsichtig umgehen muss und es nicht schadet, mir vielleicht sogar etwas Gutes zu tun – ein Schokolädchen hier – ein Kuss da … jeder darf schließlich mal schlecht drauf sein – aber nach einer Weile – wenn ich genug davon habe – versuche ich da wieder heraus zu kommen – indem ich mir was Schönes gönne – ein Stück Kuchen, ein bisschen im Garten in der Erde buddeln oder eine schöne Musik oder einfach raus und um den Block laufen, egal wie das Wetter ist.

Dein bester Tipp für Mütter oder Väter, die sich immer wieder vornehmen, entspannter mit Ihren Kindern umzugehen und es einfach nicht schaffen?

Einmal tief durchatmen – (evtl. sogar kurz das Zimmer verlassen und einen Tarzanschrei loslassen) und versuchen ein wenig Abstand zu gewinnen – am besten wird einem das klar – wenn man andere Eltern am Spielplatz beobachtet, wie sie sich mit dem Kind in festgefahrene Situationen begeben. Da könnte man sofort sagen – hey, entspann dich mal – nur wenn man selbst drinsteckt, ist es eben anders. Schafft man es, sozusagen aus sich raus zu treten und sich selbst dabei zu beobachten, müsste man erkennen, dass man anders viel besser ans Ziel kommt, nämlich mit Spaß und Fantasie. Glaubt es mir einfach, es funktioniert und macht das Leben schöner!

Das Interview wurde geführt von Martina Voigt-Schmid

Hier findest Du das Buch von Sabine Bohlmann.

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