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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Spielen und Lernen im Wald – mit neuen Spielideen

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Macht Spaß: Spielen und lernen im Wald. Foto. Pixabay

Text: Antje Szillat

Spielen und Lernen im Wald war für unsere Eltern – und auch noch für einige von uns eigentlich selbstverständlich. Doch im heutigen Medienzeitalter stehen bei den Kindern Gameboy, Computerspiele, Fernseher und  Tablets  hoch im Kurs. Spielen und Toben an der frischen Luft, ausreichende Bewegung und Naturerlebnisse kommen viel zu kurz. Doch angesichts alarmierender Zahlen ist es notwendiger denn je, die Kinder wieder zu Bewegung, Spiel und Spaß in der Natur und an der frischen Luft zu animieren.

60% der Kinder haben Haltungsschäden oder Schwächen.

30% der Kinder leiden unter Übergewicht.

40% der Kinder haben ein schwaches Herz-Kreislauf-System.

30-40% der Kinder haben muskuläre Schwächen und Koordinationsstörungen bei Bewegungsabläufen – ganz besonders der Gleichgewichtssinn ist davon betroffen.

40% der Kinder leiden unter Lern- und Wahrnehmungsschwächen.

Die Zahl der Unfälle ist steigend. Bei genauer Betrachtung ist erkennbar, dass diese Erkrankungen, Schwächen und Unfälle auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind oder die Ursachen darin liegen, dass viele Kinder den Bewegungsanforderungen in alltäglichen Situationen nicht mehr gewachsen sind. Da bietet sich der Wald als perfektes pädagogisches Umfeld an. Er fördert die Bewegung an der frischen Luft und entspricht damit den natürlichen Bedürfnissen der Menschen. Laufen, springen, klettern, balancieren, hüpfen und vieles mehr ist im Wald möglich.

Durch vielseitige Bewegungsmöglichkeiten wird vor allem die Muskulatur der Kinder trainiert. Übergewicht und Haltungsschäden werden vorgebeugt, sowie grob- und feinmotorische Geschicklichkeit geübt und gefördert. Durch die körperliche Gewandtheit erlangen die Kinder mehr Selbstvertrauen- und Sicherheit, was unter anderem dazu führt, dass sie lernen ihre eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen und somit auch die Unfallgefahr gemindert wird. Bewegung macht Kindern Spaß und Freude, steigert die Vitalität und ist ein wirksames Mittel, um Stress abzubauen. Bewegung noch dazu an der frischen Luft, steigert das körperliche und seelische Wohlbefinden, was wiederum eine wichtige Grundlage für eine gesunde geistige Entwicklung der Kinder ist.

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Bringt mehr als jedes Computerspiel: Der Kontakt zur Natur! Foto: Pixabay

Schulung der Sinne

Aber nicht nur eine Vielzahl an Bewegungsmöglichkeiten bietet der Wald. Auch für die Schulung der sinnlichen Wahrnehmung findet sich hier das ideale Umfeld. Im Wald werden alle Sinne geschult und die ganzheitliche Wahrnehmung gefördert. Wie an keinem andern Ort können die Kinder das Lichtspiel in den Bäumen und Blättern, den Wind, das Atmen frischer Luft und den Geruch der Erde und einer Vielzahl von Gräsern erleben. Außerdem erfahren die Kinder im Wald Stille. Bewusst Stille und Ruhe zu erleben, verhilft zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit und kann – in der heutigen lauten und hektischen Zeit, ein kostbares Geschenk sein.

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Spielen und Lernen im Wald – ein Training für Körper und Sinne! Foto. Pixabay

Unzählige Möglichkeiten

Für das Erlebnis- und Lernumfeld Wald sprechen sicherlich auch die unzähligen Möglichkeiten des Spieles. Alles was die Kinder zum Spielen benötigen findet sich hier. Die unterschiedlichsten Naturmaterialien regen die Phantasie und Kreativität der Kinder an. Ein abgebrochener Ast wird zum Zauberstab oder Hexenbesen, oder aus Kastanien und kleinen Ästen werden die lustigsten Spielfiguren. Die Kinder können aus einer Fülle von Naturmaterialien wählen und daraus z.B. Bilder, Tierchen und Männchen oder Klanginstrumente basteln.

Soziales Miteinander

Auch das soziale Miteinander wird im Wald gefördert; gemeinsame Erlebnisse, Spiele und Erfahrungen stärken das Gruppengefühl (ob nun Kindergarten- oder Schulklasse, als auch der soziale Verbund einer Familie). Die Kinder erfahren durch die verschiedenen Situationen die sie im Wald erleben, dass sie sich etwas zutrauen können. Das macht sie stark, mutig und selbstbewusst, was wiederum eine wichtige Grundlage für Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit ist.

Und natürlich erleben und erfahren die Kinder die Natur; sie begreifen ökologische Zusammenhänge und biologische Kreisläufe und lernen die Regeln des Waldes kennen. Diese sensiblen Naturerfahrungen sind wichtig für den zukünftigen Umgang der Kinder mit ihrer Umwelt.

Die Natur und ganz besonders der Wald, tragen in vielfältiger Weise zur Förderung der kindlichen Entwicklung bei. Natur erleben und begreifen macht die Kinder stark, selbstbewusst, umsichtig und mutiger fürs Leben.

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Foto: Pixabay

Spielen und Lernen im Wald – 11 lustige Spielideen

„Steine und Bäume, sie standen uns nahe, fast wie lebende Wesen. Und die Natur war es auch, die unsere Spiele und Träume hegte und nährte.“

Aus „Das entschwundene Land“ von Astrid Lindgren

Die lustige Waldolympiade

Acht verschiedene Wettkämpfe stehen an! Wählt einen Spielleiter aus, haltet Zettel und Stift bereit und los geht es. Am Ende werden die einzelnen Ergebniszettel ausgewertet. Der Spieler mit dem besten Ergebnis, ist der Gewinner und bekommt eine „Waldmedaille“ verliehen.Ganz so wie bei einer „echten“ Olympiade können auch Bronze-, Silber- und Goldmedaillen überreicht werden.

Baumstammwerfen

Sucht euch ein ca. ein Meter langes Holz. Zieht eine Linie und versucht es von dort aus so weit wie möglich zu werfen. Achtet dabei darauf, die Dicke und Schwere des Holzes dem Alter des Kindes anzupassen.

Wer findet den kürzesten Weg?

Bestimmt ein quadratisches Spielfeld mit ca. zehn bis dreißig Bäumen. An jeden Baum wird ein Zettelchen angeheftet. Nun muss jeder Baum von den einzelnen Spielern – mit so wenig Schritten und Sprüngen wie möglich – angesteuert werden. Wem gelingt es den kürzesten Weg zu finden, wer kann am weitesten springen! Der jeweilige Spieler markiert mit einem Zeichen auf dem angehefteten Zettel, seinen Besuch an den einzelnen Bäumen. Der zuvor bestimmte Schiedsrichter konzentriert sich auf das Zählen der Schritte und überprüft anschließend ob alle Bäume angesteuert wurden. Es können auch zwei Schiedsrichter ausgewählt werden – einer zählt, einer überprüft!

Wurfscheiben Parkour

Mit einer Wurfscheibe (Frisbee) gilt es für den Spieler, zuvor festgelegte Gegenstände mit möglichst wenigen Versuchen zu treffen. Zuerst z.B. ein Baum, dann eine Bank, anschließend einen Baumstumpf, etc. Mit wie vielen Würfen hat es ein Spieler geschafft? Der Spielleiter notiert es!

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Foto; Pixabay

Tannenzapfen Zielwurf

Jeder Spieler sucht sich zuvor drei Tannenzapfen. Ein Eimer oder Korb wird einige Meter entfernt aufgestellt. Nun gilt es so viele wie möglich Tannenzapfen in den Eimer zu werfen. Auch hier notiert der Spielleiter die Anzahl eines jeden Spielers und achtet darauf, dass die Wurflinie nicht übertreten wird.

Baumstumpfkampf

Zwei Spieler stehen auf zwei nahe beieinander befindlichen Baumstümpfen. Der Spielleiter gibt das Startzeichen und die Kinder versuchen sich gegenseitig von dem Baumstumpf herunterzudrücken.

Eine weitere Variante ist das Tauziehen: Hier werden zwei etwas weiter auseinander stehende Baumstümpfe ausgesucht. Die Spieler fassen an das Seil und versuchen ihren Kontrahenten vom Stumpf zuziehen.

Baumklettern

Wählt einen glatten Baum aus und markiert eine (angebrachte – des Alters entsprechende) Zielhöhe. Nun versuchen die einzelnen Spieler an diesem Baum hochzuklettern und die vorgegebene Höhe, so schnell wie möglich zu erreichen. Dabei wird die Zeit gestoppt und notiert.

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Foto: pixabay

Balanceakt

Sucht einen langen abgeholzten Baumstamm aus. Die Spieler müssen nun über diesen Baumstamm balancieren – natürlich wieder so schnell wie möglich. Wer herunterfällt, muss wieder von vorne beginnen, den Spieler weiter.

Robin Hood Nachricht

Mit Pfeil und Bogen wird eine Nachricht übermittelt. Zuvor werden Start- und Zielpunkt festgelegt und markiert. Nun gilt es – mit sowenig Schüssen wie möglich – die Nachricht vom Start zum Ziel zu befördern. Die Anzahl der benötigten Schüsse wird notiert. Aber unbedingt darauf achten, dass sich niemand im Schussfeld befindet!

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Foto: Pixabay

Weitere Spielideen

Geruchsmemory

Benötigt werden: Filmdöschen oder andere wieder verschließbare Becher, Erde, Torf, Rinde, Tannennadeln, Harz, Laub, Moos, Waldfrüchte.

So wird gespielt:

Verteilt in jeweils zwei Filmdöschen oder wieder verschließbare Becher, dasselbe Material. Die Dosen werden verschlossen und die Deckel mit Löchern versehen. Der Spielleiter stellt sämtliche Döschen durcheinander auf. Durch die Löcher in den Deckeln, müssen nun die Dosen mit demselben Inhalt wieder gefunden werden. Aber Achtung – es darf nur gerochen werden! Der Spielleiter sollte Sinnvollerweise, die Becher / Dosen zuvor nummerieren und sich die jeweiligen Nummernpaare notieren.

Tipp:

Bei diesem Spiel wird die sinnliche Wahrnehmung geschult.

Das Eichhörnchen Spiel

Spielform: Gruppenspiel

Alter: ab Kindergartenalter

Material: mehrere Eicheln

So wird gespielt:

Jedes Kind sucht sich – eine zuvor festgelegte Anzahl – Eicheln und muss diese irgendwo in der Nähe verstecken. So wie es auch die Eichhörnchen machen! Dann finden sich die Kinder am Startplatz wieder zusammen, um anschließend auszuschwärmen und zu versuchen, ihre Eicheln wieder zu finden.Das gelingt allerdings nicht immer – aber den Eichhörnchen ergeht es genauso!

Und aus den „nicht wieder gefundenen“ Eicheln, werden im nächsten Jahr, dann eben einige junge Eichen wachsen.

Tipp:

Tolles Spiel für die räumliche Wahrnehmung, Überblick und Aufmerksamkeit.

Das Eichhörnchen Spiel macht auch im Winter richtig viel Spaß.

Variante:

So wird ein Wettbewerb daraus! Jedes Kind bekommt sechs Eicheln und versteckt sie (natürlich jede Eichel an einem unterschiedlichen Platz). Auf ein Startzeichen des Spielleiters versuchen die Kinder ihre Eicheln wieder zu finden. Allerdings ist die Zeit begrenzt. Wer nach z.B. vier Minuten (Zeitvorgabe sollte dem Alter der Kinder angepasst werden) die meisten Eicheln gefunden hat, ist der Sieger.