Jedes 5. Kind in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten
Laut dem Ergebnis einer Kinder- und Jugendstudie, die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zusammen mit dem Robert-Koch-Institut vorstellte, zeigt annähernd jedes fünfte Kind in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Die Studie ergibt, dass bei 17,8 Prozent der Jungen und 11,5 Prozent der Mädchen Hinweise auf Verhaltensauffälligkeiten zu verzeichnen sind. Häufige Probleme sind dabei emotionale Schwierigkeiten und Hyperaktivität. Zehn Prozent der Kinder leiden laut Robert-Koch-Institut unter Ängsten, 7,6 Prozent unter Störungen des Sozialverhaltens und 5,4 Prozent unter Depressionen. Die zentralen Risikofaktoren für die ermittelten Verhaltensauffälligkeiten, sind familiäre Schwierigkeiten und Armut. Leider zu oft bleiben die Verhaltensauffälligkeiten jedoch unbehandelt.
In der Studie wird auch die körperliche Gesundheit der Heranwachsenden untersucht, mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die unter chronischen Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Asthma oder Allergien leiden, stetig steigt. 15 Prozent der Kinder gelten nach der Studie als übergewichtig, über 6 Prozent sogar als fettleibig.
Alamierend am Ergebnis der Untersuchung ist weiter, dass fast jedes dritte Mädchen zwischen elf und 17 Jahren Essstörungen in diversen Formen aufweist. Weitere häufig auftretende chronische Gesundheitsprobleme sind außerdem Bronchitis (über 13 Prozent), Neurodermitis (rund 13 Prozent) und Heuschnupfen (mehr als 10 Prozent).
Für die Studie wurden zwischen 2003 und 2006 17.641 Kinder und Jugendliche von 0 bis 17 Jahren wissenschaftlich untersucht.
Die am schwersten wiegende Erkenntnis ist, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in einzelnen Bereichen von Gesundheit und Lebensqualität schlechtere Ergebnisse aufweisen, sondern in durchweg allen. In dieser Gruppe findet man eine Häufung von Risikofaktoren, eine Häufung von Unfällen, Krankheit, Übergewicht, Umweltbelastungen, eine schlechtere gesundheitliche Versorgung und häufigere psy-chische Auffälligkeiten. Kindern aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Status haben weniger personale, soziale und familiären Ressourcen. "Zwischen diesen Schutzfaktoren und dem gesundheitlichen Risikoverhalten sind deutliche Zusammen-hänge zu erkennen", sagt Bärbel-Maria Kurth, die Studienleiterin. Zum Beispiel rauchen Hauptschüler fünfmal häufiger als die Gleichaltrigen auf dem Gymnasium.[mk]
Quelle:
Pressemitteilungen der RKI-Pressestelle zur KiGGS-Studie
Die Studie
Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) ist eine Studie des Robert Koch-Instituts zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren. Ziel der Studie ist es, umfassende Daten zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu erheben, zu analysieren und die Ergebnisse an die Politik, die Fachwelt und die allgemeine Öffentlichkeit weiter zu geben. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, den Wissensstand über den Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern. Sie sollen helfen, Problemfelder und Risikogruppen zu identifizieren, Gesundheitsziele zu definieren und Ansätze für Hilfsmaßnahmen (Interventionen) und Vorbeugung (Prävention) zu entwicklen und umzusetzen.
Im Internet:
www.kiggs.de

