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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Mamas neuer Freund – ab wann gehört er zur Familie?

Mamas neuer Freund
Mamas neuer Freund

Frisch verliebt? Alleinerziehende haben es da gar nicht so einfach.

Den Kindern den neuen Partner vorstellen, ist oft eine knifflige Angelegenheit. Viele Kinder reagieren mit Eifersucht, Verlustangst und sogar Schulproblemen.

Marina, 36, ist eine Powerfrau. Sie arbeitet im Anzeigenvertrieb einer Zeitschrift und gibt nebenher noch Aerobic- und Pilates- Unterricht in einem Fitness-Studio. Ihre beiden Kinder Roman, 5, und Nadja, 3, erzieht sie seit zwei Jahren alleine. Nach der Trennung von ihrem Partner war lange kein Platz für einen Mann in Marinas Leben, „zu anstrengend“, sagt sie. Die attraktive, lebenslustige Frau hat sich ganz auf ihre beiden Kinder und auf den Beruf konzentriert. „Ich organisiere mich mit meinen Freundinnen, wir wechseln uns ab mit Babysitting und springen auch sonst, wo es geht, füreinander ein“, sagt Marina. „Wir haben sogar zusammen eine Tagesmutter gesucht, mit der wir uns super verstehen“.

Neue Liebe – neue Familiengefühle

Nun aber, vor drei Monaten ist sie Sebastian begegnet – und hat zum ersten Mal wieder richtig „Schmetterlinge im Bauch“. Der 29jährige Erlebnispädagoge scheint einfach perfekt in ihr Konzept zu passen, sportlich, unternehmungslustig, unkompliziert und obendrein tier- und kinderlieb. Sebastian kann kochen und hat einfach die Ruhe weg, „total gechillt“ sagt Marina lächelnd. Eigentlich hatte Marina immer Bedenken, einen Freund, bei dem Sie nicht ganz auf „Nummer sicher“ sein kann, ihren Kindern vorzustellen. „Sie und ich haben bei der Trennung von Felix viel durchgemacht – so etwas möchte ich ihnen auf keinen Fall noch einmal zumuten. Ich möchte das relativ harmonische Leben, das wir jetzt haben, nicht in Gefahr bringen.“ Andererseits möchte Sie auch nicht ihr ganzes weiteres Leben alleine bleiben.

Welche(r) Alleinerziehende, ob Mann oder Frau, träumt nicht von einer neuen Liebe? „Jemand, der abends mal was gekocht hat, mit dem man sich nicht extra verabreden muss, jemand, der ganz selbstverständlich da ist – ein Stück Familie eben,“ sagt Marina. Allerdings bringt eine neue Liebe auch ein neues Risiko mit sich: Was, wenn die Phase der Verliebtheit endet? „Was, wenn ihn dann stört, dass ich manchmal gerne eine Zigarette rauche – oder mich seine lässige Art, den Müll in der Küche zu übersehen. Was, wenn er sich doch nicht so gut mit den Kindern versteht, wenn er eifersüchtig wird auf die Zeit, die ich mit ihnen verbringe? Und dann ist da noch etwas: Sebastian ist sieben Jahre jünger als ich. Kann das wirklich lange gut gehen? Oder wird er sich schon bald nach einer Freundin umsehen, die jünger ist?“

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Neue Liebe, Foto: Pixabay

Neue Liebe – neues Risiko?

Marina hat vielleicht Angst, dass es ihr so geht wie ihrer Freundin Kirsten, 34, die „Mr. Right“ schon mehrmals getroffen hat, ziemlich oft, um genau zu sein. Der nächste Mann lässt nie lange auf sich warten bei Kirsten – und ihre Tochter Lisa, 9, ist inzwischen schon völlig abgebrüht. „Ich wette eine Sahnetorte, dass dieser Lars es auch nicht länger als drei Monate bei uns aushält“ hat sie ihrer Mutter gesagt, nachdem sie deren neuester Eroberung vorgestellt wurde. Lisa hat schon mit vielen neuen Freunden ihrer Mutter gefrühstückt, und erlebt, wie die Männer sich erst rührend um sie bemühten, um dann doch irgendwann auf „Nimmerwiedersehen“ zu verschwinden. Lisa hält sich da lieber an ihren Papa. Der ist zwar längst nicht immer da, wenn sie ihn braucht, bringt ihr aber immer schöne Geschenke mit, wenn er kommt – und manchmal fahren sie zusammen in Urlaub, nur sie beide, ohne die Mama.

Lisa hat schon viel erlebt für ihr Alter, und Kirsten macht sich Vorwürfe. „Bin ich ein schlechtes Vorbild für meine Tochter, wird sie beziehungsgestört, weil ich so bin? Ich verliebe mich einfach oft. Bei jedem neuen Freund, glaube und hoffe ich wieder, dass es der Richtige ist. Und, wenn es der Richtige sein soll, muss er mich doch so kennen lernen, wie ich wirklich bin – auch als Mutter, Lisa gehört doch zu mir!

Neue Liebe – neues Glück

Bei Arne (50) und Elke (35) wiederum hat es, trotz einem Altersunterschied von fünfzehn Jahren, auf Anhieb geklappt mit der neuen Liebe, und trotz der drei quicklebendigen Kinder, die Elke in die Beziehung mitgebracht hat. Seit vier Jahren schon sind sie ein Paar und harmonieren sehr gut – alle fünf. An jedem zweiten Wochenende sind die Kinder bei ihrem leiblichen Vater Micha, ansonsten ist Arne ihr Papa Nr. 2 und er ist mächtig stolz auf seinen angeheirateten Nachwuchs. Seine Ex-Frau und er konnten keine eigenen Kinder bekommen und er sagt “ es ist doch wunderbar, eine richtige Familie zu sein – dass die Kinder nicht mein Erbgut mitbekommen haben, ist mir eigentlich völlig egal, trotzdem sind wir Seelenverwandte und ich finde, dass wir uns sogar ein bisschen ähnlich sehen.“

Sicher, eine „Versicherung in Sachen Liebe“ gibt es nicht und wird es wohl auch niemals geben. Das Risiko ist immer mit im Spiel wenn man, wie es so schön heißt, sein Herz verliert. Aber, gibt es dennoch Regeln, wann und wie Alleinerziehende einen neuer Partner in ihre Familie hineinbringen sollten?

Spiele im Freien
Herzflattern, foto. Pixabay

Wir haben uns mit Dipl.-Psych. Fritz Propach, 1. Vorsitzende von Pro Psychotherapie e.V. aus München unterhalten

Wann sollten Alleinerziehende den Kindern ihren neuen Partner vorstellen? Gleich, nach den ersten drei Verabredungen oder erst dann, wenn sie sicher sind, dass etwas „Ernstes“ aus der Beziehung werden könnte?

Kinder lieben konstante und sichere Lebensumstände. Um nicht unnötig für Verunsicherung zu sorgen, sollte man ruhig etwas warten, bis man sich sicherer ist.

Wie sollte so ein erstes Treffen aussehen? Ganz privat zu Hause bei einem Essen, oder besser in einer neutralen Umgebung, z. B. bei einem gemeinsamem Ausflug?

Ein Ausflug ist hier vielversprechender: So wird der/die „Neue“ weniger als Eindringling empfunden, zudem beginnt die Beziehung zu den Kindern (hoffentlich) mit einem positiven gemeinsamen Erlebnis.

Ab wann darf der oder die „Neue“ nicht nur als Gast in der Familie auftauchen, sondern selbstverständlich zu Hause übernachten und am ganz normalen Familienleben teilnehmen?

Pauschale Aussagen lassen sich hier nicht machen, zu verschieden sind hier Menschen, Einstellungen und Lebensumstände. Wenn sich jedoch alle einigermaßen wohl dabei fühlen, spricht auf jeden Fall nichts dagegen.

Was ist, wenn das gegenseitige Kennenlernen nicht so gut verlaufen ist, wie man es sich gewünscht hat? Wenn das Kind/die Kinder den neuen Partner ablehnen oder eifersüchtig auf ihn sind?

Die Ablehnung und Eifersucht der Kinder kann ja zahlreiche Gründe haben, z.B. dass Mutter oder Vater jetzt weniger Zeit für sie hat, Loyalität zum getrennt lebenden Elternteil, Angst vor erneutem Verlassenwerden und so weiter. Wenn man ein Verständnis dafür entwickeln kann, aus welchen Bedürfnissen und Ängsten das Verhalten entsteht, hat man zumeist den Schlüssel für eine Änderung bereits in der Hand: genügend „Quality Time“ mit den Kindern verbringen, mit Ihnen über Ihre Gedanken und Wünsche reden etc..

Wie erkennt man, ob der neue Partner auch für die Kinder gut ist – und wie viel Engagement in der Familie sollte oder darf man von ihm erwarten?

Je nach Alter der Kinder und abhängig von der eigenen Einstellung sucht man ja zweierlei in einem neuen Partner: einen Lebensgefährten für sich Selbst und dazu mehr oder weniger eine/n neuen Mutter/Vater für die Kinder. Wenn der/die Neue als vollwertiges Familienmitglied aufgenommen werden soll, darf er/sie freilich miterziehen. Dies sollte auf jeden Fall in Art und Weise und Umfang gut abgesprochen sein, ab einem gewissen Alter auch durchaus zusammen mit den Kinder. Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass dabei dem Expartner nicht unnötig Kompetenzen und Beziehungen streitig gemacht werden. Auf der anderen Seite ist es auch in Ordnung, wenn der neue Partner in erster Linie Partner für einen selbst ist und dabei keine Ersatz-Elternrolle übernimmt. Die Reaktion der Kinder vermittelt einem schon, wie sie den neuen Partner und seine Erziehung finden. Hier ist es freilich wichtig Ihnen ein möglichst neutraler Ansprechpartner zu sein.

Was tun, wenn der neue Partner eifersüchtig reagiert, wenn man nicht so viel Zeit mit ihm oder ihr verbringen kann, wie man gerne möchte?

Wenn der Partner die eigenen Lebensumstände nicht akzeptieren kann, stellt sich schon die Frage, ob es der oder die „Richtige“ ist. Ich sollte mich jedoch durchaus fragen, ob ich in einem Leben mit der Doppelbelastung von Beruf und Alleinerziehung einem neuen Partner wirklich die Chance gebe, das Leben mit ihm zu teilen oder ob es dafür eigentlich gar nicht reicht.

Sollte man dem „Ex“, dem Vater. bzw. der Mutter der Kinder vom neuen Partner erzählen?

Sicher, er wird es ohnehin erfahren. Allerdings gilt hier ähnliches wie mit den Kindern: Um unnötig Eifersucht und Ärger zu vermeiden sollte man sich sicher sein, dass es von einiger Dauer sein wird und sich bemühen, den Umgang in der neuen „Patchwork“-Familie“ möglichst konstruktiv zu gestalten.

Dipl.-Psych. Fritz Propach,

Pro Psychotherapie e.V.

Adlzreiterstr. 25, 80337 München

Tel 089 – 72997536 , www.therapie.de

  • Posted by kidslife on 25. September 2016

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