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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Kleine Rituale mit Kindern: Ruhepole und Erziehungshelfer

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Rituale mit Kindern als Erziehungshelfer – Sie schaffen kleine Oasen der Ruhe inmitten der Alltagshektik. Sie schweißen Familien zusammen, helfen bei der Erziehung und vermitteln Kindern ein Gefühl von Sicherheit. Liebgewonnene Traditionen, vor allem aber die vielen kleinen Alltagsrituale machen das Leben leichter und bunter.

Text: Sabine Ostmann, Fotos: Pixabay

Wie beginnst Du den Tag? Mit einer Tasse Kaffee im Garten? Mit Gymnastikübungen im Bad? Und wie bringst Du abends die Kinder ins Bett? Mit einer Gute-Nacht Geschichte? Oder mit einem Kakao und einer Runde Kuscheln? Und was sagt dein Nachwuchs, wenn das Vorlesen, oder Kuscheln einmal ausfällt?

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Solche Dinge sind der Kitt, der unser Leben zusammenhält: Kleine, immer wiederkehrende Zeremonien bilden Inseln der Ruhe in unserem oft so hektischen Leben. Sie helfen uns, in den Tag zu starten, innezuhalten, loszulassen, etwas Altes abzuschließen, etwas Neues zu beginnen.

Kein Wunder, dass auch die meisten großen Rituale und Bräuche im Leben Übergänge begleiten: den Wechsel der Jahreszeiten, die Geburt, die Aufnahme in eine (Glaubens-)Gemeinschaft, die Hochzeit, den Tod. Besondere Bedeutung haben in vielen Kulturen Initiationsriten, die den Eintritt in die Welt der Erwachsenen begleiten. Ein schönes Beispiel dafür sind die „Fiestas de quince años“ in Lateinamerika. An ihrem 15. Geburtstag werden die Mädchen wie Ballköniginnen austaffiert und bei einer Riesenparty mit Familie und Freunden als junge Frauen in der Gesellschaft vorgestellt.

Traditionen feiern ein Comeback

Lange Zeit waren Rituale und Bräuche vielfach verpönt. Sie galten als alte Zöpfe, als enges Korsett überkommener Regeln, die dem Ausleben individueller Bedürfnisse entgegenstehen. Hinzu kommt: Nicht jeder verbindet mit einem Ritual die gleichen Erlebnisse und Gefühle: Während Weihnachten für den einen Plätzchenduft, leuchtende Kinderaugen und Harmonie im Kerzenlicht bedeutet,  erinnert sich der andere an Stress und Dauerstreit und möchte zumindest diese Rituale mit Kindern ein für allemal über Bord werfen.

Dennoch: Rituale erleben ein Comeback. Gerade heute, wo sich in unserem Leben täglich alles ändern kann, wo wie die Welt als extrem beschleunigt erleben, von Termin zu Termin und von Event zu Event hetzen, sehnen wir uns nach Atempausen, nach vertrauten Traditionen.

Das kann die Tasse Kaffee im stillen Garten am Morgen sein, das tägliche Abendessen im Kreis der Familie oder das gemeinsame Eiersuchen an Ostern. Solche Rituale setzen nicht nur Fixpunkte, sie stiften auch Identität und stärken das Wir-Gefühl – gerade von Kindern. Denn sie behalten lieb gewonnene Rituale im Gedächtnis – und geben sie vielleicht einmal an ihre Kinder weiter.

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Wie Rituale mit Kindern Sicherheit geben

Rituale strukturieren das Jahr ebenso wie unseren Tagesablauf.

Wie stark unser Alltag ritualisiert ist, fällt uns womöglich nur auf, wenn die Sonntagsbrötchen plötzlich fehlen oder der halbwüchsige Sohn auf einmal keinen Gutenachtkuss mehr möchte. Doch gerade solche kleinen Rituale mit Kindern sind für Familien immens wichtig. Sie strukturieren unseren Alltag. Sie bilden Ruhepole inmitten von Hektik und Stress und vermitteln uns so Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit. Gerade für Kinder ist das unverzichtbar. Ein Lied zum Wachwerden, ein Glas Milch nach der Schule oder eine Gutenacht-Geschichte vermitteln ihnen Nestwärme und Beständigkeit und helfen ihnen die Welt zu verstehen.

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Bei lieb gewonnenen Zeremonien können Kinder übrigens ganz schön beharrlich sein – auch in den Details. Die dreijährige Amelie etwa besteht darauf, abends vor dem Schlafengehen noch eine „Pulla“ mit warmer Milch zu bekommen. Dabei muss sie unbedingt in eine Decke gewickelt die Zubereitung überwachen. Danach müssen in einer Ecke ihres Zimmers ihre Kuscheltiere versammelt werden – und zwar in einer genau festgelegten Reihenfolge, damit die kleine Prinzessin mit ihrer Milchflasche in der Mitte thronen kann. Jede Abweichung von diesem Ritual wird mit schrillem Geschrei quittiert. Klingt kompliziert, ist aber wichtig.

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Rituale mit Kindern als Erziehungshelfer

Gerade wenn die Eltern wegen ihres Berufs nicht so viel Zeit für ihre Kinder haben, geben regelmäßige, immer gleich ablaufende Rituale den Kindern Sicherheit. Alles was nach dem gleichen Schema abläuft akzeptieren Kinder leichter, weil sie wissen, was auf sie zukommt. Deshalb erleichtern Rituale auch das Einüben neuer Verhaltensweisen und helfen, Regeln zu akzeptieren.

Dank des „Pulla“-Rituals geht Amelie freiwillig ins Bett. Andere Kinder putzen ohne Theater die Zähne, wenn sie dabei ein lustiges Lied hören oder noch im Bad herumtoben dürfen. Wenn es Eltern gelingt, ungeliebte Regeln und Pflichten in spaßige Rituale zu verpacken, machen die Kinder meist bereitwillig mit.

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Ein enorm wichtiges Ritual, auf das Familien nicht verzichten sollten, ist das gemeinsame Essen – wenigstens einmal am Tag.

Wenn die ganze Familie um den Esstisch versammelt ist, können alle gemeinsam ihren Tag besprechen, miteinander lachen und Pläne für Aktivitäten schmieden. Oder einfach ein gutes Essen genießen. Hauptsache: regelmäßig und alle zusammen. Das ist sogar ganz elementar für die Gesundheit, hat die AOK festgestellt. In ihrer Familienstudie 2010 kommt die Krankenkasse zu dem Ergebnis, dass Familienrituale und ein gutes Vorbild der Eltern für das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern wichtiger sind als die sozialen Verhältnisse.

Rituale stärken die Familienbande und machen Kinder fit und gesund. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie in Stein gemeißelt sein müssen. So wie sich Familien verändern, wenn die Kinder älter werden, verändern sich auch Rituale. Manche fallen klammheimlich unter den Tisch. Von anderen muss man sich verabschieden, zum Beispiel wenn die Kinder größer werden und das Haus verlassen. Doch in jeder Lebensphase kann man neue Rituale erfinden. Hauptsache, sie passen zur Familie und machen das Leben leichter.

10 Rituale, die das Leben leichter machen

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Erste Hilfe für Morgenmuffel

Ein lustiges Lied zum Wachwerden, ein Glas Saft oder eine Tasse Kaffee ans Bett – mit solchen kleinen Ritualen kannst Du den Morgenmuffeln in der Familie den Start erleichtern.

Jedem sein Gute-Nacht-Ritual

Ob Klein oder Groß: Vor dem Schlafen muss die Seele noch ein bisschen baumeln – beim Vorlesen oder Kuscheln, beim Musikhören oder einem kleinen Schlummertrunk.

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Kuscheln für alle

Irgendwann nervt es, wenn die Sprösslinge es sich zur Gewohnheit machen, jede Nacht bei Mama und Papa zu schlafen. Also ab ins eigene Bettchen (gilt natürlich nicht bei Krankheit und Albträumen). Außer zu einer Nacht im Monat. Dann wird das Elternbett zum Kuschelplatz für alle oder zum Schauplatz für gemeinsame Kissenschlachten.

Familiensprechstunde

Sorgen und Nöte sollte man nicht beim Essen und schon gar nicht zwischen Tür und Angel besprechen. Mach ein Ritual draus: Bei der regelmäßigen Familiensprechstunde dürfen alle ihren Kummer oder ihren Ärger über ein anderes Familienmitglied rauslassen – gemeinsam wird dann nach einer Lösung gesucht. Gelobt werden darf natürlich auch.

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Wir machen uns frei

Aufräumen befreit den Kopf. Am besten zwei Mal jährlich das ganze Haus entrümpeln. Beim rituellen Familien-Kehraus machen natürlich alle mit. Danach gibt’s Pizza für die ganze Familie. Und nächste Woche geht’s auf den Flohmarkt.

Zeit für jedes Kind

Geschwister können ganz schön eifersüchtig sein. Deshalb darf jedes Kind mal Mamas oder Papas kleiner Prinz (oder Prinzessin) sein. Einen Tag im Monat bekommt es die geballte Aufmerksamkeit, und zwar ganz allein. Klar, dass es sich wünschen darf, was die Eltern mit ihm unternehmen.

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Heute ist familienfrei

Gleiches Recht für alle – auch die Eltern brauchen eine Auszeit. Jeder bekommt einen Tag familienfrei und darf einfach mal tun und lassen, was ihm oder ihr Spaß macht.

Eltern sein – Paar bleiben

Viele Eltern vergessen, dass sie eigentlich auch ein Liebespaar sein sollten. Schicke die Kids über Nacht zu Oma und Opa und lebe endlich mal wieder Zweisamkeit. Regelmäßig!

Eine Stunde Familienkunde

Kinder wollen wissen, wo sie herkommen. Also erzähle ihnen von Ritualen, die Du als Kind geliebt hast, von der Familiengeschichte mit ihren Höhen und Tiefen. Betrachtet zusammen  alte Fotos und lasst auch mal Großeltern, Onkel und Tanten berichten – ein schönes Ritual für Familientreffen.

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Feste feiern

Überlegt gemeinsam, wie eure Familie Weihnachten, Geburtstag und andere Feste zusammen feiern möchte. Alle dürfen Wünsche äußern – und alle dürfen mitmachen. So freuen sich alle auf das Fest, packen gemeinsam mit an. Und vielleicht entstehen sogar neue Rituale.

 

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