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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Zoo zu Hause

Warum Kinder Haustiere brauchen – und was Eltern wissen sollten

Kinder brauchen Tiere – zum Kuscheln, zum Spielen und zum Lernen. Doch für ein harmonisches Zusammenleben mit dem tierischen Familienmitglied sollten Sie, gemeinsam mit dem Kind, das passende Tier auswählen. Schließlich wollen Sie für eine artgerechte Haltung sorgen – und nicht alleine für Käfig oder Katzenklo zuständig sein.

Die vierjährige Leonie wünscht sich sehnlichst eine Katze. Eine rote – so eine hat ihre Freundin Anna. „Die kommt immer zu ihr auf den Schoß und spielt so toll mit Schnüren und Bällen“. Tom, acht Jahre, hätte lieber einen Hund – zum draußen rumtoben. Und die 11-jährige Isabel träumt von einem eigenen Pferd.

Früher oder später wollen fast alle Kinder ein Haustier und versprechen ihren Eltern das Blaue vom Himmel, um ihren Wunsch durchzusetzen: Leonie zum Beispiel wird ihre Katze ganz bestimmt niemals durch lautes Gebrüll erschrecken. Und Tom will mit seinen Hund jeden Tag raus. Stundenlang. Auch wenn es regnet. Großes Ehrenwort. Die Eltern sind dann oft hin- und hergerissen: Einerseits möchten sie Ihrem Kind seinen Herzenswunsch erfüllen. Andererseits bedeutet ein Haustier Pflege und Zuwendung, kostet Geld – und wer macht eigentlich den Käfig sauber?

Tiere machen schlau und glücklich

Doch bei aller Arbeit sind Tiere immens wichtig für Kinder – in dieser Frage sind sich die Experten einig. „Kinder haben Tiere nötig“, meint der Kölner Tierarzt Detlev Khatchikian. „Sie sind tolle Spielpartner und die Kinder können eine Menge von ihnen lernen.“ Wie viel Leben und Spaß Gefährten auf vier Pfoten in die Familie bringen, weiß der Vater von drei Kindern aus eigener Erfahrung. Schließlich leben in seinem Haushalt zwei Hunde, eine Katze, eine Maus, mehrere Zierfische sowie immer wieder Vögel, Reptilien oder Kleintiere, die ein neues Zuhause suchen oder eine Krankheit auskurieren. „Haustiere aktivieren die Kinder“, hat Khatchikian beobachtet, „und sie lindern manche Sorgen. Eine schnurrende Katze, die sich auf den Schoß kuschelt, oder ein Hund, der einen freudig begrüßt, helfen, Traurigkeit, Stress und Aggressionen abzubauen.“

Mehr noch: Mieze, Bello & Co fördern die kindliche Wissbegierde. Es ist einfach spannend, Hunde, Katzen oder Kaninchen beim Spielen zu beobachten. Warum schnuppern Hunde immer an allem? Wieso leuchten die Augen der Katze im Dunkeln? Und weshalb sind Hamster nur nachts aktiv? Viele Fragen – und eine Menge Gesprächsstoff für die ganze Familie.

Nicht nur als Streicheltiere und Kumpels sind die Freunde auf vier Pfoten unverzichtbar. Sie fördern auch die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung: „Kinder, die mit einem Heimtier aufwachsen, sind glücklicher, ausgeglichener und selbstbewusster. Sie zeigen sogar bessere Leistungen in der Schule“, das hat Professor Reinhold Bergler, Leiter des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft, in mehreren Studien festgestellt. „Ganz wichtig ist, dass die Kinder ohne erhobenen Zeigefinger lernen können. Ein Hund muss gefüttert werden und eine Katze, die geärgert wird, zeigt sehr deutlich, wann sie genug hat. So lernen Kinder spielerisch, die Bedürfnisse anderer zu akzeptieren, Verantwortung zu übernehmen und Grenzen zu respektieren – alles wichtige soziale Fähigkeiten.“

Welches Tier passt zu uns?

Indem Haustiere Grenzen setzen, lernen die Kinder sehr schnell, dass Hund, Katze oder Hamster keine Spielzeuge sind, die man beliebig mit herumschleppen und wie einen Plüschbären knuddeln kann, sondern Wesen mit eigenen Bedürfnissen. Vorausgesetzt natürlich, das Kind ist alt genug, die Bedürfnisse seines Schützlings zu erkennen – und das Tier passt zur Familie. So werden eine scheue Katze und eine turbulente Familie kaum glücklich miteinander. Und ein Kind, dass sich ein Streicheltier wünscht, wird kaum an einem Vogel Gefallen finden. Die beliebten Goldhamster sind übrigens nur für Nachtmenschen geeignet. Bei Tag schlafen die nachtaktiven Nager.

Kleinere Kinder kommen am besten mit Kleintieren wie Meerschweinchen oder Zwergkaninchen zurecht, die leicht zu halten sind und sich schnell an Menschen gewöhnen. Allerdings müssen die Eltern immer ein Auge darauf haben, wie die Kleinen mit den Tieren umgehen. Wenn sie mit dem Meerschweinchen Auto spielen, sollten sie vielleicht noch eine Weile mit einem Plüschtier üben. Tierarzt Khatchikian rät Anfängern übrigens zu Farbratten. „Die sind zwar nicht so beliebt, aber sehr gut für Kinder geeignet. Die intelligenten Nager werden sehr zahm und sind interessant zu beobachten.“

Robuster als die mitunter recht empfindlichen und stressanfälligen Kleintiere sind Katzen – sie wissen sich zu wehren, wenn die Sprösslinge im Spieleifer zu grob werden. Dafür sind sie aber auch sehr verspielt und verschmust. Da sie auch etwas eigenwillig und schreckhaft sein können, eignen sie sich für ruhigere Familien und Kinder ab Grundschulalter.

Die idealen Gefährten für Familien mit größeren Kindern sind Hunde. Anhänglich, treu und freundlich sind sie ideale Begleiter für ängstliche und schüchterne Kinder. Auch aktive Familien, die viel Zeit draußen verbringen, schätzen einen Hund als Familienmitglied. Sind die Kinder noch recht klein, sollte der Hund nicht so groß sein, dass er sie beim Spielen umwerfen kann.

Auf keinen Fall sollten Sie ein Tier einfach verschenken – die Anschaffung eines Haustieres betrifft die ganze Familie und sollte gemeinsam entschieden werden. Schließlich gehen Sie unter Umständen eine längere Bindung zu ihrem neuen Familienmitglied ein. Kleintiere werden in der Regel nur höchstens vier Jahre alt, ein Hund hingegen lebt bis zu 15 Jahre, eine Katze kann sogar 20 werden. Das bedeutet: Sie müssen sich auch dann noch um den Vierbeiner kümmern, wenn Ihre Sprösslinge längst das Weite gesucht haben.

Und wer macht jetzt das Katzenklo sauber?

Das Hundefutter ist alle, der Hasenkäfig stinkt zum Himmel und die Katze wendet sich angewidert von ihrem Klo ab und erledigt ihre Geschäft lieber auf dem Teppich – dabei hatte Sohnemann doch hoch und heilig versprochen, sich um die Pflege seines vierbeinigen Freundes zu kümmern. Es hilft alles nichts: „Wenn Sie ein Tier anschaffen, müssen Sie sich bewusst sein, dass die Verantwortung – und auch die Pflege – letztlich immer an Ihnen hängen bleiben“, stellt Detlev Khatichikian klar. Nachlässigkeit bei der Heimtierpflege muss keine böse Absicht Ihrer Kinder sein, vielleicht sind sie einfach noch etwas überfordert mit der Sorge für ein Tier. Ab wann Sie die Ihrem Nachwuchs anvertrauen können, hängt natürlich vom Alter, der Reife und dem Charakter Ihres Kindes ab. Ein Kindergartenkind wird damit sicher noch überfordert sein. Sie können ihm aber schon erste kleine Aufgaben übertragen: zum Beispiel den Wassernapf füllen oder Löwenzahn für das Kaninchen pflücken. So lernt das Kind, dass es Verantwortung für das kleine Wesen hat. Mit der Zeit wächst dann auch das Pflichtbewusstsein. Achtjährige können in der Regel den Großteil der Arbeit selbständig erledigen, brauchen aber immer noch Aufsicht. Und weil sich das Katzenklo nicht von selber putzt, empfiehlt Tierarzt Khatchikian genervten Eltern, mit ihren Kindern einen Vertrag abzuschließen, der genau regelt, wer wann das Kistchen putzt, Gassi geht oder das Futter besorgt.

Wenn das Haustier stirbt

Um eine innige Beziehung zu ihrem Tier aufbauen zu können, müssen Kinder von Anfang an lernen, artgerecht und liebevoll mit ihrem Freund auf vier Pfoten umzugehen – also das Kaninchen nicht vor lauter Liebe zu erdrücken und den Hund einfach mal schlafen zu lassen. Als Eltern müssen Sie Ihre Kinder durch ihr Vorbild für die Bedürfnisse des Tieres sensibilisieren und ihnen helfen, verantwortungsvoll mit ihrem Schützling umzugehen.

Dazu gehört auch, dass Sie offen mit Ihrem Kind darüber sprechen, wenn sein kleiner Liebling ernsthaft krank wird oder sogar sterben wird. Es spürt ohnehin, wenn mit dem Tier etwas nicht stimmt. Diese Offenheit tut zwar weh, hilft dem Kind aber mit dem Tod seines Haustieres besser fertig zu werden.

Beim Tod eines tierischen Gefährten sind Kinder in der Regel zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert. Sie müssen erst lernen zu trauern. „Aber auch dies ist eine unersetzliche Erfahrung, die Kinder mit Haustieren machen“, meint Tierarzt Khatchikian. „Schaffen Sie in dieser Situation keinesfalls überstürzt einen ‚Ersatz’ an. Sie können Ihr Kind aber bei seiner Trauer unterstützen, indem Sie mit ihm ein Bild von seinem geliebten Schützling malen oder indem Sie das Tier zusammen begraben. Solche Rituale helfen nicht nur Kindern, den Tod des vierbeinigen Familienmitglieds zu verkraften.“

Fotolia

Heimtiere in jedem zweiten Haushalt

Mehr als 23 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland – Zierfische nicht mitgerechnet. Statistisch gesehen lebt in fast jedem zweiten Haushalt ein Tier. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen die Samtpfoten mit (etwa 7,5 Millionen), dicht gefolgt von rund 6 Millionen Kleintieren und über 5 Millionen Hunden.

Wir wollen ein Tier!

Was angehende Tiereltern bedenken sollten

·               Sind wir uns wirklich darüber einig, dass ein Tier ins Haus kommt? Oder sollen es sogar mehrere sein? Welches Tier passt überhaupt zu uns? Haustiere sind Familienmitglieder – ist uns klar, dass wir uns mit unserer Entscheidung möglicherweise über viele Jahre binden?

·               Dürfen wir in unsere Wohnung überhaupt einen Hund oder eine Katze halten? Und sind unsere Wohnräume überhaupt geeignet für eine artgerechte Haltung? Wenn ja: Wo soll das Tier schlafen; wo frisst es? Und wo kommt das Katzenklo hin?

·               Sind wir uns über die Kosten, die das Tier mit sich bringt, im Klaren und können wir das aufbringen? Und was ist, wenn das Tier krank wird und eine Operation nötig ist?

·               Gassi gehen, Fellpflege, Streicheln, Schmusen und Spielen – all das braucht Zeit. Haben wir die? Und wer soll sich um die Pflege des Vierbeiners kümmern? Wie verteilen wir die Aufgaben in der Familie?

·               Was machen wir mit unserem Tier, wenn wir in Urlaub fahren? Wer kümmert sich dann darum?

Noch Fragen …?

Was kostet eigentlich ein Haustier?

Hunde stehen bei den Kosten für Anschaffung und Unterhalt (nach Pferden) an erster Stelle. Ein Hund vom Züchter kostet mindestens 300 Euro – je nach Rasse auch ein Vielfaches davon. Tierheime verlangen 150 bis 300 Euro Schutzgebühr, dafür sind die Hunde geimpft, entwurmt und manchmal sogar gechipt. Außerdem benötigen Sie einen Korb, ein Halsband mit Leine, Spielzeug und eventuell eine Hundehütte (macht zusammen 80 bis 250 Euro). Die Aufwendungen für Futter liegen je nach Größe des Hundes zwischen 50 Cent und 3 Euro täglich. Hinzu kommen noch die Hundesteuer (70 bis 100 Euro, je nach Region) und die unerlässliche Hundehaftpflicht, für die noch mal 80 bis 100 Euro pro Jahr fällig werden. Für Tierarztkosten (Impfungen, Routineuntersuchungen) fallen auch noch mal mindestens 100 Euro an. Die jährlichen Unterhaltskosten summieren sich also auf 550 bis 850 Euro und können leicht mehr als 1000 Euro betragen.

Katzen sind zwar meist deutlich kleiner, aber in der Haltung kaum billiger als Hunde; lediglich Steuer und Haftpflichtversicherung fallen weg. Die Preise für Rassekatzen vom Züchter sind ebenso hoch wie bei Hunden. Auch für Katzen verlangen Tierheime eine Schutzgebühr von etwa 150 Euro (inklusive Untersuchung, Entwurmung, Impfung und Kastration). Tierarztbesuche (Impfungen und Routineuntersuchungen) kosten etwa 100 Euro pro Jahr. Die Erstausstattung (Korb, Katzenklo, Kratzbaum, Transportbox, Näpfe) beläuft sich auf 200 Euro; die Futterkosten kommen auf 10 bis 30 Euro monatlich.

Kleintiere: Deutlich billiger in Anschaffung und Unterhalt sind Kaninchen, Ratten, Meerschweinchen & Co. Sie sind bereits für 15 bis 30 Euro zu haben. Käfig, Wasser- und Futternapf kosten etwa 50 bis 80 Euro. Für Futter sind monatlich 10 bis 30 Euro fällig. Insgesamt kostet der Unterhalt eines Kleintiers im Jahr zwischen 200 und 300 Euro (inklusive eventueller Tierarztbesuche).

Pferde können sich die wenigsten Familien leisten. Schon allein wegen des Anschaffungspreises von mindestens 2000 Euro für ein rittbereites Tier. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Wer nicht auf dem Land wohnt und über Wiesen und einen geeigneten Stall verfügt, muss erhebliche Summen für Haltung und Pflege berappen.300 Euro im Monat sind hier die unterste Grenze; 500 bis 600 Euro keine Seltenheit. Hinzu kommen die Aufwendungen für den Tierarzt und die kostspielige Restausstattung.

Kann ich mir auch ein Tier aus dem Tierheim holen?

Angesichts der vielen ausgesetzten und verwilderten Tiere tut jeder, der sich einen Gefährten aus dem Tierheim holt, etwas Gutes. In den Heimen warten eine Menge toller Familienhunde und verschmuster Katzen und Kleintiere auf ein liebevolles Zuhause. Da manche von ihnen durch Misshandlungen und eine traurige Vergangenheit traumatisiert und extrem scheu sind, ist es wichtig, etwas über die Vorgeschichte des Tieres und seine Eignung für das Zusammenleben mit Kindern zu erfahren. Die Mitarbeiter der Tierheime beraten Sie dabei gerne. Hunde können Sie auch schon mal bei mehreren Spaziergängen kennen lernen. So merken Sie schnell, ob die Chemie zwischen dem Vierbeiner und Ihrem Kind stimmt.

Und wie ist das mit Krankheiten?

Haustiere können verschiedene Krankheitserreger übertragen oder auch Allergien auslösen. Deshalb ist es wichtig, sie regelmäßig auf Krankheiten untersuchen und entwurmen, entflohen und impfen zu lassen. Bereits vor der Anschaffung eines Vierbeiners sollten alle Familienmitglieder einen Allergietest machen. Sonst gibt es Trauer und Tränen, wenn das neue Haustier wieder abgeschafft werden muss. Da eine genervte Katze schon mal die Krallen ausfährt, sollten Katzenhalter gegen Tetanus geimpft sein. Doch übertriebene Hygiene muss nicht sein. Wenn das Tier mit im Bett schläft oder dem Kind mal über das Gesicht leckt, ist das kein Grund zur Panik – nur vor dem Essen und nachdem sie ausgiebig mit dem Tier gespielt haben, sollten Kinder die Hände waschen. Wegen des Toxoplasmose-Risikos sollten Schwangere keine Katzenklos saubermachen. Normaler Kontakt mit einer Katze ist aber ok.

Experten:

Professor Reinhold Bergler, Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft, Hamburg; www.mensch-heimtier.de

Detlev Khatchikian, Tierarzt, Köln; www.tierarzt-mauspfad.de

Webseiten:

www.haustiere.de: große Haustier-Community

www.haustiere-info.de: Heimtiermarkt; Infos zu Züchtern, Tierärzten und Tierheimen

www.tierseiten.net: große Linksammlung zu allen Arten von Haustieren

www.tierschutzakademie.de: Infos zu Tierschutz, Tierheimen und Haustieren

www.familienhandbuch.de

Bücher

·               Claudia Fischer, Bettina Schönefelder: Wenn Kind und Hund … Was Eltern wissen sollten – was Kinder wissen müssen. Cadmos, 10,90 Euro

·               Claudia Ludwig: Kinder brauchen Tiere. Infos, Tipps und Geschichten von der Schwangerschaft bis zum Kindergarten. vgs verlagsgesellschaft, 12,90 Euro

·               Claudia Ludwig: Wenn das Haustier stirbt. Vom Umgang mit der Trauer. vgs verlagsgesellschaft, 12,90 Euro

·               Bragi Olafsson und Tina Flecken: Die Haustiere. Dtv, 15,– Euro

·               Claudia Toll und Uta Fischer: Hunde, Katzen und andere Haustiere. Ravensburger Buchverlag, 12,95 Euro