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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Zurück in den Beruf – Mütter starten durch

Beruf - Mütter

Die Geburt von Kindern bedeutet für viele Frauen eine berufliche Auszeit und nicht allen gelingt nach der Familienpause die Rückkehr in den alten Job. Häufig lassen sich die Arbeitszeiten nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren oder das Wissen der  Berufsrückkehrerinnen ist einfach nicht mehr Uptodate, um nur einmal zwei Aspekte zu nennen. Kein Grund zu resignieren: Denn so schlecht stehen die Chancen im Moment nicht.

Die Generation der heute Mitte zwanzig bis Mitte 40-jährigen ist gut ausgebildet. Gerade jetzt zeigt sich der Arbeitsmarkt aufnahmebereit. Damit steigen auch die Chancen für Wiedereinsteigerinnen“, so Anke Paul, Leiterin der Stabsstelle Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Regionaldirektion Hessen.

Neue Wege beschreiten?

Susanne (35) hat 6 Jahre pausiert, doch nun geht ihre Jüngste in den Kindergarten und ihr Sohn Alexander in die Grundschule mit Ganztagsangebot. Wenn Susanne sich mit ihren Freundinnen trifft, ist der Job häufig Thema. „Vor meiner Familienpause war ich Leiterin der Marketingabteilung in einer großen Firma. Anfangs habe ich es sehr genossen mit den Kindern zuhause zu sein, doch irgendwann entstand – zunächst sehr verhalten und dann aber immer drängender bei mir der Wunsch, wieder am Arbeitsleben teilzunehmen und nicht nur Hausfrau und Mutter zu sein.“ Dieser Schritt wollte indessen gut überlegt und vorbereitet werden. Klar war von Anfang an, dass ihr alter Job für sie, nicht mehr für sie in Frage kam. Überstunden und Auslandsaufenthalte ließen sich mit der Familie nicht mehr unter einen Hut bringen. Außerdem schwebte ihr eher eine Teilzeitstelle vor. Doch warum nicht einmal ganz umdenken, warum nicht einfach einmal ganz neue Wege beschreiten?

Zurück in den ehemaligen Beruf

Katharina (29) wusste schon als sich ihr Nachwuchs ankündigte, dass sie in ihren Job als Sekretärin in einem großen Medienunternehmen zurückkehren wollte. „Ich verstand mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen ganz ausgezeichnet, auch meine Vorgesetzte war sehr umgänglich und übrigens ebenfalls Mutter“. Als sie ihr vorschlug nach dem Erziehungsurlaub eine Teilzeitstelle anzutreten, war sie damit durchaus einverstanden. „Dass meine Schwiegermutter ganz in unserer Nähe lebt und, falls nötig, auch einmal einspringen kann, war ein weiterer Pluspunkt.“ Bei Katharina gab es keine Probleme bei der Rückkehr in ihr Team. Aber das muss nicht immer so reibungslos laufen, deshalb rät Heidi Crossland, Gleichstellungsbeauftragte in der rheinhessischen Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim getroffene Übereinkünfte möglichst schriftlich festzuhalten.

Plant man die Rückkehr in den Beruf, sollte man schon, soweit das möglich ist, während Mutterschutz und Elternzeit den Wiedereinstieg vorbereiten. Wichtig ist es, Kontakte zu den ehemaligen Kollegen und Kolleginnen zu pflegen, um über neue Entwicklungen am Arbeitsplatz auf dem laufenden zu bleiben. Auch das Internet informiert über aktuelle Tendenzen sowohl im eigenen Berufsfeld als auch auf dem Arbeitsmarkt. Falls nötig kann man schon während des Erziehungsurlaubs beginnen, Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen. Berufsinformationszentren können über verschiedene Angebote Auskunft geben. Volkshochschulen und die Industrie- und Handelskammer bieten ebenfalls Kurse an, die auf die Rückkehr ins Berufsleben vorbereiten. Urlaubs- und Krankheitsvertretungen beim alten Arbeitgeber helfen auch, den Wiedereinstieg zu erleichtern und die Kenntnisse aufzufrischen. Die Gleichstellungsbeauftragen sind ebenfalls wichtige Ansprechpartnerinnen. Zweimal im Jahr organisiert Heidi Crossland zwei Seminare „Zurück in den Beruf“, die über drei Monate vormittags stattfinden und zu denen auch ein zweiwöchiges Praktikum gehört. „Immerhin 60% der Teilnehmerinnen finden über das Praktikum einen Arbeitsplatz“, erklärt Crossland engagiert.

Die Standortbestimmung

Ist die Rückkehr an den ehemaligen Arbeitsplatz nach längerer Elternzeit nicht mehr möglich, muss man sich klar darüber werden, welche beruflichen Wünsche und Ziele man hat. Möchte man vielleicht eine zweite Karriere starten? Hat man vielleicht jetzt die Chance, sich neue Perspektiven zu eröffnen?

Auf der Suche nach der idealen beruflichen Tätigkeit, sollten mit Zeit und Muße, Stärken und Schwächen, Interessen und Fähigkeiten ausgelotet werden. Dabei geht es nicht nur um fachliche Qualifikationen, sondern auch um persönliche Kompetenzen. Viele der eigenen Talente schätzt man kaum, weil sie allzu selbstverständlich erscheinen. Zunächst sollte man berufliche und auch private Aktivitäten Revue passieren lassen, die so richtig Freude gemacht haben. Welche Befähigungen sind da ganz besonders zum Tragen gekommen? Lassen sich diese vielleicht bei einer künftigen Tätigkeit umsetzen?

Am besten ist es, um sich wirklich Klarheit zu verschaffen, die Einschätzung des persönlichen Potenzials ausformuliert zu Papier zu bringen. Diese Vorgehensweise stärkt das eigene Selbstvertrauen und vor allem die Selbstsicherheit. Denn wie soll man sich bei einer Bewerbung und dem anschließenden Bewerbungsgespräch überzeugend, attraktiv und professionell präsentieren, wenn einem das „Ich weiß auch nicht so recht“ ins Gesicht geschrieben steht.

In dieser Orientierungsphase sollten zunächst einmal alle Ideen zugelassen werden und dann nach und nach auf ihre Umsetzbarkeit überprüft werden. Susanne hat schon immer gerne schriftlich ausgedrückt und ihr Interesse galt schon seit jeher gesunder Ernährung und ganzheitlicher Medizin. Ihre Fähigkeiten, die sie im Marketingbereich gesammelt hat, möchte sie auch wieder einsetzen. Die freie Mitarbeit bei einem Magazin mit den entsprechenden Schwerpunkten würde sie sehr reizen, aber wie findet man da den Einstieg?

Ein Beratungsgespräch in der Agentur für Arbeit kann da durchaus aufschlussreich sein und sollte nicht unterschätzt werden, denn die Vermittlungsfachkräfte beraten über Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und können nützliche Tipps zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten geben. Zudem verfügt jede Arbeitsagentur  über eine Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, die genau auf diesen Themenbereich spezialisiert ist.

Die Stellensuche

Auf der Suche nach dem passenden Job ist der Austausch mit Freunden und Bekannten das A und O. Ein breit gefächertes Netzwerk ist heutzutage bei der Jobsuche äußerst wichtig. Wenn Freunde und Bekannte informiert sind, können sie auf frei werdende Stellen aufmerksam machen oder zumindest den richtigen Ansprechpartner für einen ersten informellen Anruf nennen. Auch Heidi Crossland rät dringend dazu, den sogenannten „verdeckten Arbeitsmarkt“ zu nutzen. „Die besten Jobs werden unter der Hand vermittelt“, berichtet sie aus ihrer Praxis.

Dies bestätigt auch Susanne. „Auf einer Feier bei Freunden erzählte ich von meinen neuen Plänen. Und tatsächlich hatte der Freund einer Freundin noch einen Bekannten mitgebracht, der als Redakteur bei einer Tageszeitung tätig ist. Der war gleich ganz angetan von meinem Vorhaben. Eine neue Rubrik sollte ins Leben gerufen werden, die genau meinen Interessen entsprach.“ Susanne arbeitet nun als freie Mitarbeiterin, ihre Arbeitszeit kann sie frei einteilen, so dass es möglich ist, sich mit ihrem Partner abzusprechen, und im Notfall springt auch einmal ihre beste Freundin ein. „Im Moment ist das für mich perfekt und man weiß nie, vielleicht kann das ja auch ein tolles Sprungbrett sein“, erklärt sie lächelnd. Findet man über persönliche Verbindungen keinen Job können natürlich Tageszeitungen, Fachzeitschriften, Internet und Arbeitsagenturen ebenfalls hilfreich sein. Zudem sind Initiativbewerbungen bei Unternehmen, wo man die persönlichen Fähigkeiten Vorstellungen zum Tragen, eine Möglichkeit.
Auch wenn sich hier nicht gleich ein Job findet, kann man vielleicht in einem Berufspraktikum Können und ihre Kenntnisse unter Beweis stellen. Selbst wenn das Praktikum nicht direkt zu einer Übernahme führt, bietet es immerhin, Gelegenheit, interessante Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Stärken und Schwächen an der Praxis zu messen.

Die Bewerbung – Wie bewerbe ich mich richtig

Eine vollständige schriftliche Bewerbung enthält ein Anschreiben von etwa einer Seite, einen Lebenslauf mit Foto, Kopien der Schul- und Arbeitzeugnisse (keine Originale) sowie Bescheinigungen über Fortbildungen und Berufspraktika. Bei dem Anschreiben ist es immens wichtig, individuelle Formulierungen zu wählen sowie Worthülsen und Floskeln zu vermeiden. Was nach einem Serienbrief aussieht, kommt überhaupt nicht gut an. Wenn der Personalverantwortliche schon nach den ersten Zeilen entdeckt, welches Buch als Grundlage für die Bewerbung benutzt wurde, wird ihn das wenig neugierig auf den Rest machen. Natürlich kann man sich in der einschlägigen Literatur über formale Kriterien informieren und sich einige wertvolle Tipps geben lassen, aber mehr auch nicht.

Sechs Punkte, die ein Bewerbungsschreiben enthalten muss:

  • Es soll Interesse wecken zum Weiterlesen.
  • Es soll sich auf die angebotene Stelle beziehen.
  • Es soll erklären, warum Sie sich gerade für diese Stelle bewerben.
  • Es soll erklären, warum Sie glauben, diesen Anforderungen zu entsprechen.
  • Es soll eine Aufforderung zum Handeln enthalten.
  • Es soll den Zeitpunkt des Stellenantritts angeben.

Der Lebenslauf enthält in tabellarischer Form persönliche Daten über den schulischen und beruflichen Werdegang. Auch Erziehungs- und Familientätigkeit gehören in einen lückenlosen Lebenslauf. Außerberufliche Fortbildungen und ehrenamtliche Tätigkeiten sollten durchaus ebenso Erwähnung finden. Denn hier tritt der Mensch hinter dem nackten Datenmaterial hervor und für den interessieren sich die Personalentscheider natürlich auch. Aber man sollte sich auf der anderen Seite vor einer Überfrachtung hüten: nicht jeder Workshop den man an der Volkshochschule besucht hat, muss erwähnt werden. Außerdem: nicht das aktuelle Datum und die Unterschrift vergessen.

Das Bewerbungsgespräch

Ist diese erste Hürde überwunden und die Einladung zum Bewerbungsgespräch findet sich in der Tagespost, sollte man sich gründlich vorbereiten, am besten zusammen mit dem Partner oder einer guten Freundin. Beim Bewerbungsgespräch stehen die menschlichen Qualitäten im Vordergrund: der persönliche Eindruck ist ausschlaggebend.

Fragen, mit denen man rechnen muss:

  • Warum haben Sie sich gerade in unserem Betrieb beworben?
  • Wo liegen ihre Stärken, wo Ihre Schwächen?
  • Welche Ziele verfolgen Sie im Berufsleben?
  • Trauen Sie sich das überhaupt zu?
  • Wie können Sie Berufsleben und Familienleben miteinander verbinden?
  • Was geschieht, wenn Ihr Kind plötzlich krank wird?
  • Wie stellen Sie sich das vor, wenn Sie keine Überstunden machen können?

Auf diese Nachfragen sollte man vorbereitet sein, das zeigt, dass man die Situation realistisch einschätzt und eben auch vorausdenken kann. Außerdem sollte man sich über das Unternehmen und das künftige Arbeitsfeld umfassend informieren und selbst Fragen dazu stellen. Damit stellt man Engagement und ernsthaftes Interesse unter Beweis. Man muss darauf gefasst sein, dass im Bewerbungsgespräch auch die persönlichen Schwächen thematisiert werden. Im Vorfeld sollte recht genau überlegt sein, wie diese ehrlich, aber dennoch auch positiv dargestellt werden können. Ein realistisches Selbstbild rückt die Bewerberin in ein sympathisches Licht, denn wer ist schon perfekt?

„Mütter haben zur Zeit gute Chancen für eine Rückkehr in den Beruf, denn man erkennt mehr und mehr die unverzichtbaren Qualitäten von Frauen in der Arbeitswelt. Viele Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und bemühen sich um familienfreundliche Konzepte“, resümiert Heidi Crossland.