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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Leichter leben! Abnehmen mit Erfolg

Mit neuen Essgewohnheiten für pfundige Familien …

Viele Erwachsene, aber auch viele Kinder in Deutschland sind übergewichtig und fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut. Dabei ist es gar nicht so schwer, die Lebens- und Essgewohnheiten ein wenig zu ändern.

Abnehmen mit Erfolg

Babyspeck, Winterspeck, Schweinespeck – wie immer man es auch nennt, mein Sohn Lukas (8) hat eindeutig ein Bäuchlein, genau wie ich – und gerade jetzt, wo die Badesaison naht wünschte ich, wir könnten effektiv etwas dagegen tun. Wir sind nicht die Einzigen, das stimmt schon. Angeblich soll sogar jedes fünfte Kind in Deutschland zu dick sein! Die Ärztin bei der Einschulungsuntersuchung erzählte mir, dass etwa zehn Prozent der ABC-Schützen übergewichtig seien, drei bis vier Prozent von ihnen sogar richtig fett, sprich „adipös“. Und nur bei wenigen Kindern verschwindet der süße Baby-Speck und die niedlichen Pausbäckchen mit zunehmender Größe von selbst, wie bei Lukas’ Freund Paul.  Die Zahlen machen wenig Hoffnung. Von den 7- bis 10-jährigen sind mehr als 15 Prozent übergewichtig, bei den 14- bis 17jährigen sind es sogar 17 Prozent. Und bei uns Erwachsenen – oh je, nur etwa ein Drittel von uns hat nicht mit „gewichtigen“ Problemen zu kämpfen.

Leider leben wir nicht in Rubens´ Zeiten und das einstmals wertvolle „Hüftgold“ ist nicht angesagt. Aber, selbst wenn man von der Optik einmal absieht – bei Übergewicht handelt es sich um eine ernst zu nehmende chronische Krankheit, auf die weitere Erkrankungen wie Gelenkschäden, Diabetes oder Arterio­sklerose folgen können. Das erlebe ich nun bei meiner Mutter, die auch gerne kocht, backt und isst – und die nun Diabetikerin ist. Übergewicht ist nicht nur für den Körper schlecht, sondern auch fürs Selbstbewusstsein. Fettsack, Dickbauch, Tonne – Dicke gelten als faul, unattraktiv und werden häufig ausgegrenzt. Ob im Sportunterricht oder beim freien Spielen in Kindergarten und Schule; Übergewichtige sind langsamer und ungeschickter. Sie erleben, dass sie nicht so beliebt sind und trösten sich ­– mit Essen! Auch Lukas erzählt, dass er bei Ballspielen immer als Letzter in die Gruppe gewählt wird und dass ihm bei Dauerläufen die Puste ausgeht. Er hasst den Sportunterricht, genau wie ich als Kind, und möchte sich so oft wie möglich krank melden.

Liegt das nur am mangelnden Willen? An lascher Selbstdisziplin und schlichter Gefräßigkeit? Nein! Inzwischen ist die verbreitete Meinung „Wer will, der kann abnehmen“ veraltet.  Unser Gewicht und die Tendenz, leicht zuzunehmen, ist nach neueren Erkenntnissen stark biophysisch vorherbestimmt, ähnlich wie unsere Körpergröße oder Haarfarbe. Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind von Mutter Natur noch darauf programmiert, in Überflusszeiten Fett für eine Hungersnot zu speichern. Aber was uns früher einmal beim Überleben half, wird heute zum Stolperstein einer gesunden Entwicklung. Einige Faktoren gelten als gesicherte Risiken dafür, dass ein Mensch Übergewicht entwickelt: Als erstes wirken die Gene stark prägend. Hat ein Kind einen übergewichtigen Vater und eine dicke Mutter, so liegt sein Risiko, selbst übergewichtig zu werden, bei 80 Prozent. Sind beide Eltern schlank, beträgt das Risiko nur 20 Prozent. Aber auch ein Lebensstil mit geringer körperlicher Aktivität und mehr als zwei Stunden Fernsehkonsum pro Tag erhöht das Risiko enorm. Ein niedriges Familieneinkommen und nur geringe Schulbildung gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Fachleute schreiben dies einer eher schlechten Ernährung mit vielen Fertiggerichten, Süßigkeiten und fettigen Snacks in den Haushalten der Familien mit geringem Einkommen zu. Wenn gemeinsame familiäre Aktivitäten selten sind, laufen Fernsehen und PC-Spiele um so länger.

Gute Ernährung – Theorie und Praxis

Wo auch immer die Ursachen liegen – ca. 40 Prozent der dicken 7jährigen und sogar 80 Prozent der 10- bis 13jährigen werden dicke Erwachsene, obwohl sich unser  Ernährungswissen in den letzten Jahren verbessert hat. Studien bei Vorschulkindern zeigen, dass die Kids recht gut Bescheid wissen. Sie können, noch bevor sie Lesen und Schreiben gelernt haben, anhand von Lebensmittelkärtchen sehr genau zuordnen, was gesund und was ungesund ist. Allerdings werden bei der Frage „Und was esst ihr gern?“ dann genau die „falschen“ Produkte wie Schokolade, Pommes, Hamburger und Co. genannt. Auch Lukas weiß schon, dass ein Apfel als Snack besser für ihn ist als ein Toast mit Nutella. Trotzdem liebt er das Letztere und kann nur selten widerstehen, vor allem, wenn ich nicht in der Nähe bin. Der renommierte Göttinger Ernährungs­psychologe Professor Volker Pudel hat es provokant zusammengefasst: „Das breite Ernährungswissen hat dazu geführt, dass wir zwar genauso essen wie früher, aber jetzt mit schlechtem Gewissen.“
Da sich einmal eingefahrene Verhaltensweisen nur schwer verändern lassen, müssen die Weichen für gute Gewohnheiten schon in der Kindheit gestellt werden. Aber wie? Dazu gibt es den „optimix“. Die Ernährungsregeln nach dem optimix-Prinzip wurden vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund Anfang der 1990er Jahre entwickelt und sind seither immer wieder an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Kinderernährung angepasst worden. „Grundsätzlich gibt es keinen Diätplan und keine rigiden Vorschriften“, so Institutsleiter Professor Michael J. Lentze. Alles darf gegessen werden, nur eben in der richtigen Menge.

Ernährung nach optimix: 3 einfache Regeln für die Lebensmittelauswahl

· Reichlich: Getreide und pflanzliche Lebensmittel
· Mäßig: tierische Lebensmittel
· Sparsam: fett- und zuckerreiche Lebensmittel

Beim Sparen von Kalorien hilft auch die richtige Getränkeauswahl: Wasser, ungesüßte Tees und stark verdünnte Schorlen statt Limo, Cola und purem Obstsaft. Milch ist nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel anzusehen. Das klingt eigentlich nicht schwer und ich habe mir diese Regeln an den Kühlschrank gepinnt um mich täglich daran zu erinnern. Auf jeden Fall verzichte ich nun auf Fertigprodukte und Sahnesaucen und will nicht mehr als zwei Mal in der Woche auf Fleisch zurückgreifen. Für den Hunger zwischendurch stelle ich geschnittenen Apfel, Karottensticks mit Yoghurt-Dip, Salzstangen und ungesalzene Mandeln bereit. Tatsächlich haben wir beide schon die ersten Kilos verloren und Lukas hat sich bis jetzt nicht beschwert – ein Anfangserfolg, der Lust auf mehr macht.
Auch mehr Bewegung  steht bei uns auf dem Plan, deshalb habe ich sogar neue Fahrräder angeschafft. „Das geringste Risiko, übergewichtig zu werden, haben Kinder, die ihre Freizeit mit unorganisiertem Sport und Bewegung ausfüllen und weniger als zwei Stunden vor der Glotze sitzen“, hat Dr. Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungs­förderung in Wiesbaden, festgestellt. Ein Kind, das früh die Freude an Bewegung und Anstrengung erlebt, ganz selbstverständlich auch Wege zu Fuß zurücklegt und ein sportliches Hobby betreibt, wird dieses Verhalten auch eher als Erwachsener zeigen. Im Mittelpunkt stehen dabei Bewegungen, die den ganzen Körper beanspruchen, wie Laufen, Radfahren und Schwimmen. Lukas strampelt und mault – er vermisst das Elterntaxi – noch. Aber Anstrengung muss sich lohnen. Als Ansporn für die Mühe und die ersten fünf verlorenen Kilos steht für uns ein Kinobesuch auf dem Programm. Das Popcorn dazu werde ich allerdings selbst machen – ohne Zucker, und Butter, dafür mit wenig Salz, auch sehr lecker. Man muss sich eben zu helfen wissen!

Wer sich richtig informieren und motivierne möchte, liest jetzt unseren Beitrag Tipps für eine gesunde Ernährung