Mit ‘nem Löffelchen voll Zucker
Erziehung mit Spaß und Freude – das geht! Mary Poppins statt Supernanny!
Ich wäre gerne wie Mary Poppins, das zauberhafte Kindermädchen. Anstatt meine Kinder (schon wieder) anzuschreien das Chaos im Kinderzimmer selbst aufzuräumen möchte ich aufgeräumt ein fröhliches Lied singen und erleben wie "mit ‚nem Löffelchen voll Zucker" die Arbeit getan wird - ganz einfach, wie durch Zauberei! Wie das geht, darüber sprach Karin Katz mit Autorin Sabine Bohlmann, der Erfindern des „Mary Poppins Prinzips“
Auch ich wäre gerne wie Mary Poppins. Anstatt meine Kinder (schon wieder) anzuschreien das Chaos im Kinderzimmer selbst aufzuräumen möchte ich aufgeräumt ein fröhliches Lied singen und erleben wie "mit ‚nem Löffelchen voll Zucker" die Arbeit getan wird - ganz einfach, wie durch Zauberei! Manchmal fühle ich mich zwar mehr wie die böse Hexe aus dem Märchen, dennoch sehne ich mich danach, meiner ganz persönlichen Zauberkraft auf die Sprünge zu helfen - nicht nur, weil ich mich als Mutter kompetenter und "besser" fühlen möchte, sondern auch weil ich weiß, wie jede Situation gleich anders aussieht, wenn man sie mit etwas Phantasie und Spucke ins rechte Licht rückt. Alles wird besser und leichter getan, wenn es Spaß macht - um das zu wissen, muss man kein Glücksforscher sein und - es gilt keineswegs nur für Kinder. Auch wir Eltern sind ja nicht immer gut drauf und möchten uns manchmal am liebsten brüllend auf den Boden werfen wenn uns alles auf die Nerven geht. Die gute Fee, die weiß was zu tun ist kommt nicht zu uns - aber Sie steckt in uns und flüstert uns was ins Ohr, und wisst ihr was? Sie ist selber ein Kind und schlägt ganz erstaunliche Dinge vor.
Ist Mama verrückt geworden?
Eines Tages, während ich im Wohnzimmer die Wäsche sortierte hörte ich diesen bekannten Refrain aus der Spielecke - Du warst es - nein, ich war's nicht - wohl! Und - einem intuitiven Impuls folgend stülpte ich mir die (saubere!) Unterwäsche meines Mannes über den Kopf, wahrscheinlich um mir die Ohren zu bedecken und sortierte stoisch weiter. In der Kinderecke wurde es still und meine Tochter bemerkte, ich trüge Papas Unterhose auf dem Kopf. Ich zuckte lediglich mit den Schultern, wie um zu sagen - wer täte das nicht ab und zu? Und schon bald kamen die Kinder und taten es mir nach und stolzierten im Zimmer herum mit meinem Negligé um die Schultern und Strumpfhosen als Schals. Die improvisierte Modenschau dauerte nicht lange, aber unsere Laune hatte sich geändert und wir gingen alle in viel besserer Stimmung unseren Dingen nach. An einem andern Tag, inspiriert durch die wachsende Spannung einer Unstimmigkeit am Abendbrottisch, verlies mein Mann die Küche, um kurz darauf, als Affe verkleidet wieder hereinzuspringen - dank einer gummiartigen Maske mit Haaren, die vom letzten Karneval übriggeblieben war wirkte der Auftritt sehr echt! Er sprang herum, machte affenartige Geräusche und schnappte sich ein Büschel Bananen. Der Auftritt half, die miese Stimmung sofort in Spaß aufzulösen und für eine kurze Weile sprangen wir alle wie Affen umher. Warum sollen Erwachsene immer vernünftig sein? Humor und Blödeleien sind absolute Stress-Killer!
Auch im Alltag kann man kreativ sein
Merke: die schöne Seite des Lebens entdeckt man oft erst auf den zweiten Blick und um Kreativität an den Tag zu legen, muss man kein Künstler sein. Gute Einfälle und die Lust am Experimentieren sind auch im Alltag gefragt, ganz besonders dann, wenn man Kinder hat. Allerdings - um diesen "poppinesquen" Charme in den Familienalltag zu bringen muss man schon entweder recht entspannt drauf oder aber ziemlich wach und präsent sein. Manchmal fällt uns eben nichts ein und dann ... na ja, dann kann vielleicht noch ein Buch helfen. Eine wirklich kreative Mutter die immer wieder Neues ausprobiert und auch ihr eigenes Handeln immer wieder überdenkt und in Frage stellt ist die Schauspielerin und Synchronsprecherin Sabine Bohlmann, die unter anderem Lisa Simpson ihre Stimme leiht. Erprobte Tipps und Tricks die Kindern und Eltern das Leben verschönern und manche tränen- und szenenträchtige Situation in eine schöne Erfahrung verwandeln hat sie in ihrem "etwas anderem" Elternratgeber "Ein Löffelchen voll Zucker ... und was bitter ist wird süß!" festgehalten. Bei der Lektüre wird einem klar: Sabine Bohlmann ist gerne mit Kindern zusammen und Liebe, Einfühlungsvermögen und Phantasie sind wichtiger als graue Theorie. KidsLife hat sich mit der modernen Mary Poppins unterhalten.
Interview mit Sabine Bohlmann
Hattest Du das, was man eine "glückliche Kindheit" nennt, habt ihr zu Hause oft gelacht und glaubst Du, Du gibst an Deine Kinder das weiter, was Du selber von Deinen Eltern bekommen hast?
Ich hatte wirklich eine wunderbare Kindheit - Lustig, Geborgen - meine Mutter war fast immer zu Hause als ich aus der Schule kam - was ich sehr genossen habe und natürlich versuche ich meinen Kindern möglichst viel davon weiter zu geben - Familie steht bei mir an oberster Stelle - die Kindheit ist die Basis für das ganze Leben und ich möchte diese wenigen Jahre in denen meine Kinder Kinder sind so oft ich kann für sie da sein.
Und, seit wann praktizierst Du das "Mary-Poppins-Prinzip" -bist Du ganz intuitiv auf diese Ideen gekommen, oder gab es ein "Schlüsselerlebnis"?
Ich bin da so reingerutscht - irgendwie fängt das mit den Kindern ja ganz harmlos an, man merkt plötzlich - jetzt muss ich erziehen - jetzt geht das erziehen richtig los - und da bemerkte ich - dass ich einerseits von meinen Kindern nicht veräppelt(ist das ein Wort? Ver - honepiepelt - ver - arscht - tschuldigung - das ist wohl etwas hart aber mir fällt kein liebevolleres Wort dazu ein - also mit anderen Worten - ich möchte nicht, dass meine Kinder mir auf der Nase rumtanzen ) und andererseits bemerkte ich, dass ich eine ganz furchtbar schlechte "Schimpferin" bin. Ich mochte die Sätze nicht, die aus mir raus kamen und auch nicht die Stimme - aber am wenigsten mochte ich die Stimmung die in der Luft liegt und wie ich mich danach fühlte - ich war total angestrengt vom Streng sein (wahrscheinlich heißt es deshalb streng - an - ge - strengt - weil streng sein anstrengt?) Und ich suchte nach einem Weg - lockerer zu erreichen was ich wollte - eben mit Spaß und Fantasie.
Viele Freunde meinen: "das wäre mir zu anstrengend - mir immer was ausdenken - wie man fröhlich aus einer Situation herauskommt" - aber ich kann nicht glauben, dass sie nach einem "Kampf mit Kindern" entspannt sind.
Ist Dein Mann genauso entspannt und humorvoll wie Du - und - wie teilt Ihr Euch Berufs- und Familienleben?
Wir ergänzen uns schon sehr sehr gut. Wir sind beide ziemlich albern veranlagt! Außerdem sind wir beide freiberuflich tätig - mein Mann ist Industrie-Designer. Wir teilen uns Arbeit und Haushalt und Kinder (na ja, die Kinder teilen wir nicht wortwörtlich - eher die - Hinfahr - Abhol - Hausaufgabenbetreuung etc.)- das klingt jetzt so perfekt - ist es aber natürlich nicht immer - denn entweder haben wir beide viel zu tun oder beide weniger - jeder Tag ist anders und wir müssen ziemlich flexibel sein. Wir alle vier.
Du arbeitest viel als Synchronsprecherin in Sachen Kinderfernsehen - glaubst Du, das hilft Dir dabei, öfters mal den kindlichen Standpunkt einzunehmen?
Ich glaube entweder hat man sich ein Stück Kindheit bewahrt oder nicht - Der einzige Vorteil, den meine Kinder vielleicht dadurch haben - hier kann mal ein Sockenmonster mit Lisa Simpsons Stimme sprechen und das ist lustig - aber ob Lisa Simpson Stimme oder irgend eine andere - jeder hat ein Potenzial an Stimmen in sich - es geht eher darum den Mut zu haben sie heraus zu holen.
Was machst Du, wenn Du einen schlechten Tag hast?
Erst mal sag ich es allen um mich rum - damit sie wissen wie sie heute bei mir dran sind - dass man mit mir vorsichtig umgehen muss und es nicht schadet mir vielleicht sogar etwas gutes zu tun - ein Schokolädchen hier - ein Kuss da...jeder darf schließlich mal schlecht drauf sein - aber nach einer Weile - wenn ich genug davon habe - versuche ich da wieder heraus zu kommen - indem ich mir was schönes gönne - Ein Stück Kuchen - ein bisschen im Garten in der Erde buddeln- oder eine schöne Musik oder einfach raus und um den Block laufen - egal wie das Wetter ist.
Dein bester Tipp für Mütter oder Väter, die sich immer wieder vornehmen, entspannter mit Ihren Kindern umzugehen und es einfach nicht schaffen?
Einmal tief durchatmen - (evtl. sogar kurz das Zimmer verlassen und einen Tarzanschrei loslassen) und versuchen ein wenig Abstand zu gewinnen - am besten wird einem das klar - wenn man andere Eltern am Spielplatz beobachtet, wie sie sich mit dem Kind in fest gefahrene Situationen begeben. Da könnte man sofort sagen - hey, entspann dich mal - nur wenn man selbst drinsteckt ist es eben anders. Schafft man es - sozusagen aus sich raus zu treten und sich selbst dabei zu beobachten - müsste man erkennen - dass man anders viel besser ans Ziel kommt - nämlich mit Spaß und Fantasie. Glaubt es mir einfach - es funktioniert und macht das Leben schöner!
Sehr witzig!
Die Oma sagt zu Kevin: "Du würdest mir eine große Freude bereiten, wenn du in Zukunft zwei Wörter nicht mehr gebrauchst: Das eine ist ,Scheiße' und das andere ist ,Mist'."
"In Ordnung, Oma. Und wie heißen die Wörter?"
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