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Plätze 4-10

Janine Herzberg

 

Doch eines Tages wurde die Hexe schrecklich müde und schlief sofort ein. Als sie nach vielen Jahren wieder aufwachte, konnte sie sich nicht vorstellen, wie sich alles verändert hatte. Walburga versuchte zu hexen. Vergeblich! Erstaunt und schockiert zugleich suchte sie einen Weg, das Hexen wieder zu erlernen.

Da war doch etwas!

„Das ist es!“ rief Walburga Clementine Petersilie, „ich gehe in die Hexenschule und lerne es wieder.“ So blieb ihr nichts anderes übrig, als doch ihre Hütte zu verlassen. Ihrer großen, schleimigen Kröte befahl sie, auf den magischen Schatz aufzupassen. Dann brach sie auf.

Sie musste zu Fuß gehen, denn ihr Besen funktionierte auch nicht mehr. Ihr Weg führte über Strassen, Autobahnen, Waldwege. Sie wunderte sich über die vielen Fahrzeuge, die sogar schon flogen und viel größer waren als ihr Besen. Die vielen neuen Wörter, die es gab, hatten für sie keine Bedeutung. Am häufigsten sah die Hexe das Wort „Tankstelle“ und „Stau“. Jedes mal fragte sie sich, was es sei.

Sie kam nach 10 Monaten, 10 Wochen, 10 Tagen in der Schule an. Es war ein kleines Haus in einem tiefen Wald. Das Häuschen war gelb wie eine Zitrone und hatte eine Schrift auf der Vorderseite „SCHOOL“. Also eine Schule für alle Hexen der Welt. Und auch die Einzige.

Walburga ging hinein. Aber sie sah nur junge Hexen. Sie kam zu einem Schalter. Als sie an die Reihe kam, wurde sie gefragt:

„Was möchten Sie?“

„Das Hexen wieder lernen.“

„Sie wollen was?!?“

„Hexen lernen; ich habe es nämlich irgendwie verlernt. Also möchte ich es wieder lernen.“

Die Hexe an der Anmeldung fragte:

„Möchten Sie eine gute oder eine böse Hexe werden?“

Walburga erwiderte:

„Eine böse Hexe natürlich!“

„Dann müssen Sie in die Abeilung „B“ Block „C“! rief die Hexe ungeduldig Walburga zu, denn hier drängelten alle anderen schon.

Als sie das ganze Schulhaus gesehen hatte, ging sie raus in den Wald, um dort zu schlafen. Am nächsten Morgen, als sie aufwachte, wusste sie im ersten Augenblick nicht wo sie war. Nach einer Zeit ging sie in die Hexenschule zu ihrer Klasse. Sie war voll Staub und Spinnenweben.

„Was ist denn hier los? Hallo!! Ist jemand da?“ wunderte sich die neue Schülerin.

Auf einmal kam ein alter zerzauster Magier unter dem Pult hervorgekrochen.

„Ach, eine neue Schülerin! Wie nett. Seit Jahren hatte ich schon keine Klasse mehr. Heutzutage möchten alle Hexen lieb sein. Die bösen Hexen sind out. Wie alt sind Sie denn?“, wollte er wissen.

„In welchem Jahr sind wir denn?“, fragte Walburga.

„Im Jahr 2121.“

„Dann bin ich 873 Jahre alt.“

„Na gut. Dann los mit dem Unterricht. Wir fangen mit etwas Leichtem an, z.B. einen Besen reiten“, schlug der Magier, der Albienius Kratus hieß, vor. „Haben Sie überhaupt einen Besen?“, fragte er.

„Nein, ich habe ihn zu Hause gelassen, weil er nicht mehr funktioniert hat“, gab Walburga zu.

Albienius Kratus meinte:

“Es macht nichts, ich habe einen Ersatzbesen. Also fangen wir an!“

Nach dem Besenreiten kamen alle anderen Hexenweisheiten dran. Als Walburga Clementine Petersilie alles gelernt hatte, musste sie noch die Prüfung bestehen. Sie bekam ein glänzendes Zeugnis. Sie verabschiedete sich vom Magier, der sehr stolz war auf seine Schülerin.

Walburga machte sich auf den Weg nach Hause und war schon sehr ungeduldig wieder die schlimmsten Gerüchte hexen zu können.

 

 

Jenny Thorwesten

 

(hat zu ihrer Geschichte schöne Bilder gemalt)

 

Doch eines Tages, wie das so üblich ist, sickerte das Geheimnis durch. Ein abenteuerlustiger und ehrgeiziger junger Mann mit Namen Sir David, hatte einen Plan, um den bösartigen Schatz zu vernichten. Aber der Plan war so gefährlich, dass er ihn erst einmal für sich behielt, damit sich niemand um ihn sorgte. Jedoch das Ende des bösartigen Schatzes und der Hexe Walburga Clementine Petersilie nahte. In der nächsten Vollmondnacht machte sich Sir David auf den Weg zu Walburgas Hütte, jenseits der sieben wilden Hecken. Der Weg dorthin war sehr beschwerlich, denn seit mehr als 200 Jahren hatte es sich niemand mehr gewagt, die sieben wilden Hecken zu durchqueren. Nach einiger Zeit gelang es Sir David jedoch die sieben wilden Hecken hinter sich zu lassen und er näherte sich mit jedem Schritt der verfallenen Hexenhütte. Sir David versteckte sich hinter einem der Brombeerbüsche, die neben der Hexenhütte wuchsen. Er beobachtete die Hexe Walburga Clementine Petersilie, die gerade ihren schwarzen, gusseisernen Ofen vorbereitete, um auf ihm wieder die wildesten, unglaublichsten und furchtbarsten Gerüchte zu kochen. Dann hörte Sir David durch die stille, schwarze Vollmondnacht die alte Kirchturmglocke läuten - es war Mitternacht – die Glocke läutete wieder und wieder und wieder und wieder und schließlich ein sechstes Mal und Walburga Clementine Petersilie hockte vor ihrem Ofen und sprach: “Fluh, Fluh, Flah, die schlimmsten Gerüchte sind wieder da! Fluh, Fluh, Flah,...“, da hörte Walburga Clementine Petersilie auf zu sprechen, denn in diesem Moment kam Sir David aus seinem Versteck. Die Hexe kreischte: „Was fällt dir denn ein? Jetzt ist alles aus.“ Sir David wusste nicht, was die Hexe Walburga Clementine Petersilie damit meinte, doch im nächsten Augenblick wusste er es. Der sonst schwarze, gusseiserne Ofen färbte sich rot und explodierte. Sir David war in Deckung gegangen; doch was war mit der Hexe passiert? Als der Rauch von der Explosion in der schwarzen Nacht verschwunden war, suchte Sir David nach Walburga Clementine Petersilie, aber er fand sie nicht. Stattdessen fand er eine schöne junge Frau. Sir David eilte zu der jungen Frau, um zu gucken, ob ihr etwas passiert war. Er fragte sie: „Mylady, sagt mir, geht’s Euch gut?“ Die junge Frau antwortete ihm: „Ja, mir geht es gut.“ Sir David war immer noch sehr verwundert über das plötzliche Verschwinden der Hexe, deshalb fragte er die Frau: „Wo ist denn die Hexe Walburga Clementine Petersilie? Und wer seid Ihr, Mylady?“ „Ich bin Lady Phoebe...“ „Lady Phoebe, die verschwundene Tochter von Herzog Richard?“ „Ja, Sir.“, und dann begann sie ihre Geschichte zu erzählen:

„An einem schönen sonnigen Herbsttag ging ich durch Annunft. Dort sprach mich ein altes Weib an, das ich aber direkt abwies. Sie bat mich, ihr zu folgen, denn sie wollte mir einen Ort zeigen, voller Schönheit, den noch kein anderes menschliches Wesen zu Gesicht bekommen hätte. Die Verlockung war groß und ich folgte der Frau. Wir verließen Annunft und durchquerten die sieben wilden Hecken. Dort verfluchte die alte Frau mich. Seit dem Tag, an dem ich verschwand, lebte ich hier jenseits der sieben wilden Hecken als altmodische Hexe Walburga Clementine Petersilie und bin dazu verdammt in jeder Vollmondnacht die furchtbarsten Gerüchte zu kochen, bis jemand kommt und mich befreit. Doch nun bin ich, dank Euch, von diesem schrecklichen Fluch befreit.“ „Oh, Lady Phoebe, es war mir eine Ehre und ich würde Euch gerne mit nach Annunft nehmen.“ So ging Lady Phoebe mit Sir David zurück nach Annunft und sie wurden dort glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

 

Silja Minet

 

Doch eines Tages....

 

...drehte sich der Wind so, dass die Gerüchte nicht über die sieben Hecken zu den Menschen flogen, sondern hinter die sieben Hecken ins Hexenreich! Im Hexenreich gab es leider nur noch diese „neumodischen Hexenluder“, wie Walburga sie nannte. Sie war die einzige noch altmodische Hexe hinter den sieben Hecken, was ja schon schlimm genug war. Aber dass jetzt auch noch die Gerüchte ins Hexenreich flogen, war noch ärgerlicher.

Denn hinter den sieben Hecken lief alles anders. Alle bösen Gerüchte, die man zu den Menschen schickte, waren dort auch böse. Wenn sie aber aus Versehen ins Hexenreich flogen, wirkte sich der Zauber anders aus: statt zu bösen Gerüchten wurden daraus die lustigsten und witzigsten Gerüchte!!! Das dies der Fall war, bemerkte Walburga leider erst am nächsten Morgen. Sie brach, wie jeden Morgen, zu einem Spazierritt mit ihrem Besen auf. Doch was sie von da oben sah, gefiel ihr ganz und gar nicht. Wo blieben die bösen Gerüchte, das Chaos, die streitenden Menschen und die mit Blaulicht fahrenden Streifenwagen mit den grünen Männchen, die verzweifelt versuchen zu schlichten und Ordnung zu schaffen?

Entsetzt und mit hochrotem Kopf vor Wut und Enttäuschung flog sie wieder zu ihrer Hütte zurück. Das war noch nie passiert, dass ein Hexenspruch von ihr schief lief. Um sich von dem ganzen Frust zu erholen, stieg sie abermals auf ihren Besen und wollte zu ihrem Lieblingscafé „Hexenkessel“ fliegen. Doch so weit kam sie gar nicht...Denn schon auf dem Weg dahin kam ihr vieles merkwürdig vor. Die meisten „neumodischen Hexenluder“ standen in Grüppchen beisammen, was normal war, solange sie sich über Mode und die aktuellen Popsongs unterhielten. Was aber heute nicht so war. Sie amüsierten sich prächtig, fanden alles superlustig und sobald eine was sagte, brachen alle anderen in schallendes Gelächter aus. Walburga wunderte sich zwar, wollte aber schnellstmöglich zum „Hexenkessel“ fliegen. Doch da kam schon ein Hexenluder auf ihrem Besen auf sie zugeritten, bog sich vor Lachen und fragte: „Stimmt es, dass dein Lieblingsessen Himbeereis ist?“ „Natürlich nicht“, donnerte Walburga zurück, „wie du sicher weißt, ist Eis zu essen für Hexen nicht gerade bekömmlich und ich kann in meinem Alter nicht mehr auf einen Besenritt verzichten.“ Dazu muss man wissen, dass Eis, und insbesondere Himbeereis, Hexen sehr schwer im Magen liegt und es deshalb bis zu einer Woche unmöglich ist, mit einem Hexenbesen durch die Luft zu reiten. Die andere Hexe auf ihrem pink-rosa gestreiften Besen, sowie die Hexen, die die beiden beobachteten, fanden das alles superlustig und lachten schallend. Walburga war der Appetit auf ein gemütliches Tässchen Kaffe erst mal vergangen. Sie schüttelte verächtlich den Kopf und kehrte wieder mit ihrem Besen um.

Was war nur los, wenn sie schon einmal ihre Hütte verließ, dann will sie auch alles so antreffen, wie sie es gerne hat. Zu Hause grübelte sie eine Weile nach und ein kurzer Sturmstoß, der ihre Hütte mal wieder zu einem gemütlichen Knarren brachte, brachte ihr die Idee. Ihr Zauberspruch war in die falsche Richtung getragen worden, der Wind muss sich gedreht haben. Sie hielt ihren Finger mit Spucke in die Luft und richtig, der Wind hatte sich seit hundert Jahren wieder gedreht. Sie konnte nichts tun, als auf den nächsten Vollmond warten. So ging sie in ihre windschiefe Hütte und kochte sich Schokoladenpudding mit extra viel Zimt. Das wirkte immer sehr beruhigend auf Walburga. Sie machte es sich mit ihrer Lieblingsspeise auf ihrer knallgelben Couch bequem und schaltete den Fernseher ein. Obwohl Walburga eine überzeugte altmodische Hexe war, gab es doch auch einiges, was sie den neumodischen Hexenludern abgeschaut hatte. Wie zum Beispiel Couch und Fernseher. Auch rührte sie nicht mehr in dem Kräuterkessel auf ihrem schwarzen, gusseisernen Ofen, damit sie wusste, in welche Richtung der Wind in den nächsten Wochen blasen wird, sondern verließ sich auf die Wetter- und Nachrichtenhexen im Fernseher. Doch die erzählten, dass es noch zwei Vollmonde dauern soll, bis sich der Wind endlich wieder dreht. Also verriegelte Walburga ihre Tür, mit ihrer eigenen, gummiartig verhexten Schlange und wartete gelangweilt und verärgert ab, bis es endlich wieder soweit war.

Als endlich die Zeit um war, war sie schon beinahe verrückt geworden, was normal ist, wenn sich eine Hexe so lange in ihrer Hütte aufhält, sie nicht verlässt und auch nichts hext. Sie machte vorsichtig das Fenster auf, prüfte den Wind und tatsächlich, der Wind hatte sich gedreht – und es war Vollmond! Eifrig heizte sie ihren schwarzen, gusseisernen Ofen und braute im Kessel Kröten, Schlangen und vielerlei Kräuter zu neuen, wunderbar verrückten Gerüchten zusammen. Genau nach dem sechsten Glockenschlag sprach sie aus vollem Herzen dreimal hintereinander den Walburga-Clementine-Petersilie-Hexenspruch:

„Fluh, Fluh, Flah, die schlimmsten Gerüchte sind wieder da!“

Die Funken flogen nur so, durch Fenster, Türen und allen Ritzen ihrer alten, verfallenen Hütte entwichen die neuen Gerüchte und wurden mit dem Wind über die sieben wilden Hecken zu den Menschen getragen.

Hoffnungsvoll und voller Vorfreude legte sie sich ins Bett und schlief ein. Am nächsten Morgen flog sie wieder über die sieben Hecken und was sah sie? Das gewohnte Bild eben: Chaos, überall Chaos, schreiende Menschen, Streifenwagen mit Blaulicht und lauter aufgeregt grüne Männchen. Schmunzelnd flog sie zurück...

 

 

Julia Lorenz

 

Doch eines Tages, als es mal wieder Vollmond war und sich Walburga Clementine Petersilie an ihren Ofen setzen wollte, da geschah etwas, das niemand glauben konnte: der Ofen war kaputt! Die Hexe rüttelte und schüttelte den Ofen. Plötzlich „batsch“ kam ein Schwall mit schwarzer Kohle, uraltem Staub und den schlimmsten Gerüchten heraus. Am nächsten Morgen bekam Walburga Clementine Petersilie zu ihrer Überraschung Besuch. Verschlafen taumelte die Hexe zur Tür. Sie öffnete die alte, knarrende Tür...auf einen Schlag war sie wach. Vor der uralten Tür stand der „Hexenrat“. Auch bekannt als GHV (übersetzt: gemeiner Hexenverein)! Die drei Hexen, Giesela Stiesel, Heli Gemein und Veronika Vies haben bemerkt, das in der Nachbarschaft nur noch nette und liebe Gerüchte umgehen. Es war die Stadt, wo der Ofen immer sein Unwesen hintreibt. Die Hexen verurteilten Walburga Clementine, Petersilie zur „Höchststrafe“. Sie sollte sich zum ersten Mal in ihrem ganzen Leben baden, putzen (auch das noch) und sie musste zur Schule gehen. Und das 20 Jahre lang. 20 Jahre später...

Walburga Clementine Petersilie sah aus wie ein Schulmädchen. Ihre Hütte glänzte. Aber man hatte ihr nicht alles von der Höchststrafe erzählt: sie durfte nur noch Gutes hexen. Und so war die Nachbarschaft wieder sicher.

 

 

Fabienne von Fehrn

 

..Doch eines schönen Tages, als die alte Hexe mal wieder über ihrem Ofen saß und neue Gerüchte ausbrütete, schellte die uralte Türglocke. Walburga wunderte sich über den Besuch, denn für gewöhnlich bekommen 200 Jahre alte hexen keinen Besuch mehr. Es sei denn sie hatten wie im Falle von Walburga schlimme, verbotene Gerüchte verbreitet und man war ihr auf die Schliche gekommen. Zum Ärger der Oberhexengemeinschaft hatte Walburga das ganze Dorf, welches in einem Hexenbann um ihre Hütte herum und hinter den sieben wilden Hecken lag, immer damit zum Schweigen gebracht, das sie androhte, viele, noch schlimmere Gerüchte über sie zu verbreiten. Und da die Dorfbewohner viel zu viel Angst um ihre Zukunft hatten, schwiegen sie und man konnte ihr nichts nachweisen. Die Türglocke schellte ein zweites mal und Walburga erschrak. "Verschwinde", murmelte sie. "Du bist an der falschen Adresse, ich bin nicht zu Haus und ich erwarte auch keinen Besuch." Doch das Klingeln hörte nicht auf und langsam taten Walburga auch die Ohren weh. Also ging sie an die Tür, jedoch öffnete sie nicht sofort. Sie murmelte einen kleinen Hexspruch und schon sah sie, wer dort an der Tür stand - es war nicht etwa der Postbote - was sie jedoch auch gewundert hätte, denn Normalsterbliche konnten nicht durch den Hexenbann - sondern es war ein kleines Mädchen von etwa 10 Jahren. Es sah gepflegt aus und auch ziemlich nett. Das jedoch änderte nichts daran, das Walburga Kinder nicht ausstehen konnte, sie waren ihr einfach nur lästig und ein Grauen noch dazu. Doch sie hatte gelernt dass man Gäste nicht abwimmelte. Während sie die Tür öffnete, überlegte sie, was an der ganzen Sache nicht stimmen mochte, aber im Moment fiel ihr es nicht ein. Dann aber kam sie drauf: Wie kam dieses Mädchen überhaupt zu ihrer Hütte? Normalsterbliche hatten keinen Zutritt zu ihrem kleinen Häuschen. Das konnte ja nur heißen dass dieses lästige Kind eine Hexe war oder zumindest mit einer Hexe verwandt sein musste. Aber soweit Walburga wusste, war ihre Tochter mit 15 Jahren von Zuhause abgehauen, was sie aber nicht sonderlich gestört hatte, da sie ja eh keine Kinder mochte und weitere Hexen, die schon eine Tochter in diesem Alter hatten, gab es nicht und es gab ebenfalls keine ihr bekannten Enkelkinder - was aber nicht hieß, das sie keine hatte, denn ihre Tochter hatte keinen Kontakt mehr zu ihr und deshalb wusste sie es auch nicht genau. Aber egal, vielleicht war auch nur der Hexenbann wieder unterbrochen, weil sie sich einmal mehr schlapp fühlte und zu nichts Lust hatte, sie wollte noch nicht einmal ihre Gerüchteküche zu Ende bringen. Endlich hörte dieses entsetzliche Geklingel auf - aber auch nur, um dann von einem lauten "RUMMS" ersetzt zu werden. Dieses "RUMMS" entstand bei dem Aufprall der Tür auf dem Dielenboden. Das konnte doch nicht wahr sein, dieses Kind war tatsächlich eine Hexe. "Wie kannst du es wagen, meine Tür aus den Angel zu heben?", schrie sie das Mädchen an. "ich .. ich dachte", stotterte das Mädchen. "Was dachtest du?", fragte sie schreiend. Das Mädchen fasste sich schnell wieder und antwortete ohne einen Ausdruck in der Stimme: "Ich dachte, ich könnte hereinkommen, weil ich ja... ." Sie kam gar nicht mehr dazu, ihren Satz zu Ende zu bringen, denn Walburga unterbrach sie schon wieder. "Weil du was?" "Weil ich doch deine Ur-Urenkelin bin!" Der nächste Kommentar blieb Walburga im Hals stecken. "Du bist meine was?" "Na deine Ur-Urenkelin." Walburga verdaute den ersten Schock ziemlich schnell und schickte die nächste Bemerkung hinterher. " Wie kommst du denn darauf.?" "Na meine Mutter, also deine Urenkelin ist vor einer Woche gestorben und in ihrem Testament steht, das ich zu dir gehen soll und bei dir wohnen soll. Und hier bin ich nun. Du kennst mich wahrscheinlich nicht, aber ich kenn' dich, zwar nur von Fotos, aber ich weiß, das du die bist, die ich suche. Also, ich wollte dich fragen, ob du mir das Hexen beibringen kannst. Bitte! Schließlich bist du jetzt mein einziges, noch lebendes Familienmitglied." Eigentlich hatte das Mädchen mit einer schrumpligen alten Kräuterhexe gerechnet, aber was sie da sah, war alles andere als das, aber das band sie dieser noch sehr gut aussehenden Frau nicht gleich auf die Nase, schließlich wollte sie freundlich bleiben. "Also bringst du mir das jetzt bei?", fragte das Mädchen erneut. "Na ja, mal sehen, wie du dich so machst." Walburga wusste nicht was mit ihr los war. Auf einmal tat ihr so ein "Grauel" tatsächlich leid. Wie das Mädchen sie mit ihren großen runden Augen anstarrte. Wie einen herrenlosen Hund. In gewisser Weise war sie ja auch ohne Zuhause und ohne eine Person, die sich um sie kümmerte. "Komm erst einmal herein Kind, du bist ja ganz durchgefroren und nass. Draußen gießt es in Strömen." Kurze Zeit später saßen sie gemütlich vor dem Kamin und tranken Tee - aus einem Kessel, aber nicht aus dem Gerüchtekessel sondern aus einem kleineren, viel hübscheren Kessel, denn Walburga hatte genug von ihren Gerüchten, denn jetzt, da sie ein Kind zu versorgen hatte konnte sie sich es nicht leisten von der Oberhexengemeinschaft erwischt und somit bestraft zu werden. Sie hatte den Kessel weggehext, als das Mädchen auf der Toilette war. Damit sie keine unnötigen Fragen beantworten musste, hatte sie auch gleich ihr ganzes Gerüchte-Hexbuch aus ihrem Haus verband und ebenfalls weggehext. Am Nachmittag redeten die beiden Hexen über ihre jeweiligen Familienmitglieder, denn Walburga wollte jetzt doch wissen, wie es ihrer Tochter und deren Tochter im Leben so ergangen war und sie erfuhr viel über ihre Tochter. Zum Beispiel, dass sie geheiratet hatte und dann noch einiges mehr. Das Mädchen verriet auch endlich ihren Namen, den sie vorher nicht hatte nennen wollen: Sie hieß Katharina Eleuanda Manila von und zu Westenberg. Da sie den Namen aber nicht mochte, nannte man sie im ganzen Dorf nur Kati. Ja, im ganzen Dorf. Denn seit die Gerüchtehexe keine Gerüchte mehr streute, waren die sieben wilden Hecken weggehext worden und nun mochte man sie im ganzen Dorf und ihre Tees waren dafür bekannt, dass sie alles heilten, was man als Krankheit nur bekommen konnte. Und eines schönen Abends, als die Dorfbewohner zu Bett gegangen waren, regneten auf einmal ein großer schwarzer Kessel und ein großes Hexbuch vom Himmel.

 

 

Maike Schulte

 

Die Besucher beim sechsten Glockenschlag, als sie gerade ihren kleinen Spruch sagen wollte, klopfte es laut. Walburga Clementine Petersilie wurde sofort misstrauisch und schlich langsam und leise zu ihrer Tür. Vorsichtig öffnete sie sie einen kleinen Spalt. Doch das, was vor ihr stand, war keineswegs furchteinflössend, denn es war ein Mädchen von einer Schönheit, die Walburga noch nie gesehen hatte. Ihr Haar war so schwarz wie Ebenholz, ihre Haut so weiß wie Schnee und ihre Lippen so rot wie Blut. Mit lauter, selbstsicherer Stimme sagte sie: “Ich komme von den sieben Zwergen bei den sieben Bergen und suche Walburga Clementine Petersilie. ” Walburga schaute sie an. Was wollte Schneewittchen bei ihr, der bösen Hexe mit dem schrecklichen Gerüchteofen? Doch Schneewittchen war schon an ihr vorbeigehuscht und in ihr Haus gelangt und hatte es sich in ihrem alten Ohrensessel bequem gemacht. “Soso,” sprach sie, “das soll deine Hütte sein? Die Hütte von der furchteinflössenden, angeberischen, bösen Hexe mit dem schrecklichen Gerüchteofen?” Und sie begann in einer Tour zu lachen. Das war ja wohl eine Frechheit höchsten Grades! Als Walburga ihr schon etwas entgegnen wollte, klopfte es schon wieder. Sie hatte sich kaum in Bewegung gesetzt, als sie eine hohe Stimme von draußen hörte: “Macht auf liebe Kinder, ich bin es, eure Mutter, öffnet die Tür. ” Völlig entgeistert zog sie heftig die Tür auf. Vor ihr stand ein großer dunkler Wolf. Dieser sprach dann schon: “Upsala, da hab ich mich wohl in der Tür geirrt, aber nette Bude hier!” Und schon saß er neben Schneewittchen auf dem Boden. Das sollte wohl ein dummer Scherz sein, dachte Walburga und schon klopfte der Nächste an ihrer Tür. Doch anstatt abzuwarten, ob jemand öffnete, drückte sich schon die Klinke herunter und der gestiefelte Kater stand vor ihr, über die Schulter ein Wildkaninchen, eine Wachtel, eine Taube und ein großes schweres Reh. Schon rief er aus: ”Ich hab` gehört hier ist ´ne Party? Da hab` ich mal was zum Knabbern mitgebracht.” Doch bevor Walburga antworten konnte, sprach Schneewittchen: “Ganz recht, wir wollten doch ´mal sehen, ob Walburga Clementine Petersilie es wirklich wert ist, dass sie mit ihrem Gerüchteofen alle Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Doch anscheinend können wir in der Welt bald etwas anderes erzählen.” Jetzt reichte es Walburga. Sie nahm all ihre Kraft zusammen und sprach: “Hokus Pokus Fidibus, dreimal schwar…” Doch da wurde sie unterbrochen, denn durch ihre immer noch offene Tür kamen 1,2,3,4,5,6,7 Zwerge und 1,2,3,4,5,6,7 Geißlein hereinspaziert. Der erste Zwerg sagte: “Schneewittchen! Was tust du hier bei der schrecklichen Walburga mit ihrem Gerüchteofen? Wir haben uns ja solche Sorgen gemacht!” Schneewittchen antwortete: “Ich wollte den Menschen endlich Frieden bringen und ihnen beweisen, dass Walburga Clementine Petersilie gar nicht so schlimm ist!” Da piepste schon das kleinste Geißlein: “Wir suchen eigentlich unsere Mutter, doch hier ist es auch ganz schön, also bleibe ich hier.” Und schon hörte es die begeisterten Zurufe der anderen Sechs. Dann hörten sie ein Rufen von draußen: „Rapunzel, Rapunzel! Lass dein Haar herunter!” Schneewittchen ging zur Tür hinaus und sagte: “Rapunzel ist leider nicht hier, aber du kannst trotzdem hereinkommen.” Und schon stand ein edler Prinz in der kleinen Hütte. Walburga stand nur schweigsam daneben, weil sie eh` nie zu Wort kam, denn immer wenn sie etwas sagen wollte, sprach ihr jemand dazwischen oder sie wurde angerempelt und musste deshalb noch mal neu anfangen. Es hatte einfach keinen Sinn und so musste sie leise und tatenlos zusehen, wie es in ihrer kleinen Hütte immer enger wurde. Jetzt hörten sie einen Aufprall und aus ihrem Kamin kam ein rußverschmierter Alladin samt Wunderlampe und Äffchen hervor. Alladin sprach: “Gerettet! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was draußen für ein starker Sturm tobt!” Plötzlich gab es einen lauten Knall, denn durch den starken Wind, der draußen tobte, war die Tür zugefallen. Doch das hinderte den Besucher nicht daran in die kleine Hütte zu gelangen. Mit einem dicken Rums trat er die Tür ein und quetschte sich in das kleine Haus. Zwischen den anderen Besuchern stand nun das Biest mit seiner Schönen und sagte: “Die Rose ist fast verblüht und ich wollte mich in meinen letzten Stunden noch ein bisschen amüsieren.” Das war zuviel für Walburga Clementine Petersilie. Sie machte sich bereit für den schlimmsten Zauberspruch, den sie je sagen würde. Sie sprach mit lauter, monströser Stimme, die das Lachen und Reden ihrer Gäste übertönte: “HOKUS POKUS FIDIBUS, DREIMAL SCHWARZER KATER,” und anstatt IHR seid alle weg, sprach sie: “ICH BIN WEG!” weil sie von dem kleinsten Geißlein angerempelt wurde. Und sie verschwand samt schrecklichem Gerüchteofen. Das war das Ende von Walburga Clementine Petersilie. Und von da an lebte die Menschheit in Frieden und es gab keine bösen Hexen mehr.

Doch nun noch mal zu unseren Gästen, die sich immer noch in der Hütte aufhielten: Natürlich waren sie erstaunt und erfreut zugleich von dem dummen Fehler, den die böse Hexe gemacht hatte und so feierten sie, was das Zeug hielt und aßen von den köstlichen Speisen, die der gestiefelte Kater mitgebracht hatte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so feiern sie noch heute.

 

 

Janine Herzberg

 

Doch eines Tages kam die Hexe Romanja auf ihrem magischen Staubsauger angeflogen. Walburga war gerade dabei, von den sieben wilden Hecken sieben wilde Beeren für ihren Zaubertrank zu pflücken. Als Walburga gerade die letzte Beere in ihren Korb packte, landete Romanja neben ihr. „Neulich habe ich von den drei alten Hexenschwestern gehört, dass mein schöner alter Staubsauger ein verhexter Besen sei,“ rief Romanja. Walburga Clementine Petersilie erschrak fürchterlich und vor Schreck ließ sie den Korb mit den sieben wilden Beeren von den sieben wilden Hecken fallen. Romanja funkelte Walburga böse an. Sie war die klügste Hexe von allen und deshalb wusste Romanja, dass Walburga Clementine Petersilie dieses Gerücht gezaubert hatte. Walburga bückte sich, um den Korb und die Beeren, die aus dem Korb gefallen waren, aufzuheben. Sie schämte sich, dass sie das Gerücht herbeigezaubert hatte. Walburga entschuldigte sich bei Romanja und versprach ihr, den Zauber aufzuheben. „Wir müssen dazu aber noch die nötigsten Zauberutensilien hier im Wald suchen“, meinte Walburga Clementine Petersilie. „Wir treffen uns in einer halben stunde in deiner Hütte“, ergänzte die kluge Hexe Romanja. Romanja hexte schnell einen Korb herbei und dann machten sie sich auf den Weg. Nach einer Weile waren die beiden vollbepackt in Walburgas verfallener Hütte angekommen. Die Hexen hatten nun Elfenstaub, Froschleich, Krötenauge und Fledermausflügel herbeigetragen. Die altmodische Hexe Walburga Clementine Petersilie erklärte den Vorgang: „Wir müssen den Zauberspruch rückwärts aufsagen und bei Vollmond, bei jedem Glockenschlag, abwechselnd die Zaubersachen in meinen rostigen Gerüchteofen werfen.“ Nun ging es los. Die beiden tanzten um den Ofen und riefen: „Flah, Fluh, Fluh, die schlimmsten Gerüchte sind weg im Nu!“ Danach warfen sie abwechselnd bei jedem Glockenschlag den Elfenstaub, die Koboldhaare, das Krötenauge und das Nixengras in den alten Gerüchteofen. Danach zerfiel der Ofen in tausend kleine Einzelteile und die Gerüchte waren, ein für alle mal, weg. Da lachten Romanja und Walburga Clementine Petersilie so dolle und laut, dass es jeder, der genau hinhört, noch heute Lachen hören kann. Die beiden verabschiedeten sich voneinander und die Hexe Romanja stieg auf ihren magischen Staubsauger, der kein verhexter Besen war, und flog herzhaft lachend in die Nacht hinaus. Walburga lebte glücklich in der Hütte, die jenseits der sieben wilden Hecken stand, bis an ihr Lebensende.

 






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