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Kidslife · das Elternmagazin

Durch die Coronakrise mit Kind – Erfahrungsbericht

Social Distancing – kleiner Junge alleine am Spielplatz
Foto: Nadja Schmid

“Social-Distancing” oder das Erlebnis der Coronakrise mit Kind – die Erfahrungen einer Mutter aus Berlin

Social Distancing ist ein Ausdruck, der uns bisher fremd war, ebenso wie Corona oder COVID-19. Keiner konnte ahnen, wie die Angst vor dem Virus unser Land und unser Leben verändern würde. Unter den Menschen, die am stärksten von den Social-Distancing Massnahmen betroffen waren und sind, sind Eltern mit Kindern. Die alleinerziehende Mutter Ktja Adam aus Berlin berichtet uns, wie es ihr und ihrem Sohn Mitja, 6, in den letzten Wochen und Monaten ergangen ist.

Text: Katja Adam

Die erste Ahnung – da ist jetzt echt was anders

Als uns die ersten Nachrichten der neuen Krankheit erreichten, hatten wir eigentlich keine Angst. Das war ja in China. Geht’s noch weiter weg? Dann kam Corona zu uns. Unser erster Schutzreflex war erstmal alles so wie immer machen und die Medien im Auge behalten. Ich muss sagen, die Zahlen der Erkrankten und Toten haben uns überhaupt nicht beunruhigt. Ich erwischte mich aber schon recht früh dabei, wie ich beim Einkaufen besonders auf vitaminreiche Lebensmittel achtete. Jedoch kamen da noch keinerlei Furcht oder Bedenken auf.

Die Gewissheit – es ist verdammt anders

Dann schlossen aber die Kindergärten und Schulen. Wir wurden in die logistische Hölle geschossen. Wer, wann, wie, wo? Das Kind sollte 24 Stunden an 7 Tagen die Woche zuhause sein. Das geht doch gar nicht. Oder doch?

Die erste Zeit war schlimm. Man kam sich eingesperrt, ja isoliert vor. Ein Spaziergang am Stadtrand erschien wie ein schöner Traum. Ostern wurde alles abgesagt. Wir suchten trotzdem Ostereier und backten Osterplätzchen und dekorierten was das Zeug hält. Aber an Ostern selbst, war das Wegbleiben von Familie schon schmerzhaft und man musste sich als Mutter öfter ermahnen, weiter zuversichtlich und positiv vor dem Kind zu wirken. Aber es gab durchaus auch Momente, in denen wir am Abendbrottisch jeder mal erzählten, was wir am Tag für negative bzw. ungewohnte Situationen erlebt hatten.

Ging ich anfangs noch „mutig“ ohne Mundschutz einkaufen, war es etwas später absolut verboten – man kam nicht mehr in den Supermarkt ohne Mundschutz und ohne Einkaufswagen. Manchmal habe ich den Mundschutz zuhause vergessen, was mich zeitlich schon mal an den Rand des Nervenzusammenbruchs brachte.

Social Distancing – allein und doch gemeinsam

Die erste positive Entdeckung, die ich machte, war wie die Leute beim Auseinanderrücken zusammenrückten. Ich bekam Sms Nachrichten von Nachbarn, die wir eigentlich immer nur mit einem müden Winken bedachten, dass sie meinen Sohn an diesem Vormittag und an jenem Nachmittag betreuen würden, wenn es nötig sei. Natürlich nahm ich das an und organisierte ebenfalls Tage, an denen bis zu 4 Kinder bei uns zuhause waren. Natürlich durfte das keiner weiter wissen und man wurde quasi Verbündete in der Not. Eine weitere schöne Erfahrung machte ich beim Einkaufen. Als alles knapp war, liess mir ein älterer Herr den letzten Kohlrabi. Wir hatten zeitgleich die Hand danach ausgestreckt. Er sah auf meinen kleinen Sohn und sagte sehr nett: “Nehmen Sie ihn.“

Spielen verboten, streng verboten!

Am härtesten aber traf meinen Sohn das Spielplatzverbot. Eines Abends, als wir noch mal schnell los mussten, um Milch zu kaufen, wurde ich leichtsinnig. Man spürte plötzlich eine Mischung aus Wut, Trotz und Eigensinn. Ich ließ meinen Sohn unter der Absperrung eines ruhig und einsam gelegenen Spielplatzes, der auch jenseits von Coronazeiten sehr überschaubar besucht war. Mein Sohn sah mich etwas verunsichert an, aber ich sagte noch mal:“ Los, geh rutschen schnell – wir sind doch ganz allein hier.“ Als mein Kind die Rutsche erklommen hatte, sagte es plötzlich:“ Mama, da kommt ein Polizist.“ Kurz nachdem stand er auch schon vor mir und verlangte meine Personalien und belehrte mich streng und sagte uns, dass ich mit 500 Euro Strafe rechnen müsste. Dieser Schreck saß mir erstmal in den Knochen. Ich rief bei unserem Polizeiabschnitt an und suchte das Gespräch. Ein sehr netter Beamter hörte mir aufmerksam zu und verstand auch meine Situation mit Kind und Corona und auch, dass an dem Abend der Spielplatz komplett leer war und mein Sohn das einzige Kind dort war. Er konnte mir aber leider auch nicht helfen bezüglich der Anzeige. Aufgrund dessen haben wir eigentlich bis noch vor einigen Tagen Angst vor der Post gehabt und dem unguten Brief von der Polizei. Dieser blieb aber bisher aus und wir hoffen, dass der Beamte es bei der recht barschen Belehrung belassen hatte.

Wir und die anderen – Annäherung auf Distanz

Heute war das Abschlussfest meines Sohnes von seiner Kita. Die Erzieher und Erzieherinnen haben sich wirklich viel Gedanken gemacht, wie sie die Auflagen und das Fest in Einklang bringen können. Sie hatten sich selbst übertroffen. Wir Eltern haben uns danach noch mit 1,50 m Abstand unterhalten und fanden Alle: Es war ein schönes Fest. Trotzdem.

Schön wäre es, wenn das Bewusstsein der Leute völlig uneigennützig etwas für Andere zu tun, anhalten würde. Ausserdem fiel mir auf, dass die „Flohtische“, wie wir sie nannten, stark zunahmen. Es standen vor vielen Häusern kleine Tische mit aussortierten, aber noch schönen Sachen zum Mitnehmen. Wer wollte, hat einen Euro in den Briefkasten geworfen für die Familie, die den Tisch aufgestellt hatte. Auf diese Weise brachten sich die Leute in unserer Gegend durch die schwierige Zeit. Diesen Spirit wünschte ich mir auch nach Corona weiterhin.

Persönliche Gedanken zur Corona-Krise

Meine persönlichen Gedanken sind, dass wir vor Corona so ein bisschen vergessen haben, dass wir in einer total technischen Welt trotzdem biologische Lebewesen sind, die der Natur ausgeliefert sind und, bei aller Technik, der Natur auch ausgeliefert bleiben.

Ob es nun das Virus ist oder die Auswirkungen des Klimawandels sind, ob es die gesamten Veränderungen unserer Biosphäre sind, die wir durch den Raubbau unseres Wirtschaftssystems immer weiter vorantreiben. Deshalb haben für mich auch Themen wie Klimawandel und Corona eine große Gemeinsamkeit, nämlich das Ausgeliefertsein an die Natur, dem wir uns in einer immer technischeren Welt nicht mehr bewusst sind.

 

Kinder leiden unter den Social-Distancing Massnahmen besonders stark. Lies hier, warum das so it.

Wie Du Dich und Dein Kind auf natürliche Art stark machst gegen Viren und Bakterien, erfährst Du hier.

 

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