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Kidslife · das Elternmagazin

Emotionale Intelligenz: Gefühle verstehen lernen

Little boy and girl hugging
Foto: Patty Brito / Unsplash

Der Begriff  “Emotionale Intelligenz” wurde von dem amerikanischen Psychologe Daniel Goleman mit seinem gleichnamigen Buch geprägt. Eine hohe emotionale Intelligenz besitzt, wer bewusst mit seinen Emotionen, Stimmungen und Affekten umgeht. So wundert es nicht, dass Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz beruflich oft sehr erfolgreich sind, da sie gut auf andere Menschen eingehen können und über Führungsqualitäten verfügen.

Im Privatleben kommen emotional kluge Menschen gut mit ihrem Partner aus, verfügen über ein sehr stabiles soziales Netz und meistern Konflikte konstruktiv. Sie können aktiv zuhören und akzeptieren ihre Mitmenschen so, wie sie sind. Damit sind sie meistens beliebt und pflegen tief gehende Beziehungen und Freundschaften. Sie sorgen aber auch gut für sich selbst und sind deshalb meist zufrieden und ausgeglichen.

Girl and baby playing
Foto: Jens Johnsson / Unsplash

Emotionale Intelligenz kann man lernen

Für Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Ulm und einer der Autoren des Ratgebers „Kluge Gefühle“ besteht eine der wichtigsten Aufgaben der Eltern darin, ihren Kindern das richtige Vorbild und Umfeld zu bieten, damit diese „kluge Gefühle“ entwickeln können: „Ein Kleinkind agiert zunächst rein reflexartig. Es sieht etwas und will es haben, ohne dass der Verstand kontrolliert, ob es schadet oder nutzt, gut oder schlecht ist”, so der renommierte Hirnforscher. „Das Bewerten, Abwägen und die Einsicht in Sachzwänge und Notwendigkeiten sind Prozesse, die erst erlernt werden müssen. Und dabei braucht das Kind Ermunterung durch die richtigen Vorbilder.

Wer lernt, dass Gewalt ein Mittel zur Konfliktlösung ist, wird seinen Ärger und seine Wut auch ausleben“, ist Spitzer überzeugt. „Wer aber gelernt hat, seine Gefühle im Zaum zu halten und Konflikte durch Argumente zu lösen, wird dies später auch tun. Emotionale Intelligenz ist damit vor allem das Ergebnis von Lernprozessen. Mit der spielerischen Vermittlung von Herzensbildung sollten Eltern, Erzieher und Lehrer so früh wie möglich beginnen. Ein gesundes Körperbewusstsein, Selbstwertgefühl, das Wissen über eigene Gefühle und die der anderen – das sind wichtige Lerninhalte, die auch im Kindergarten und in der Schule vermittelt werden sollten.

Kids Playing
Foto: Marisa Howestine / Unsplash

Die 5 Säulen der emotionalen Intellegenz

Nach Daniel Goleman ist emotionale Intelligenz eine übergeordnete Fähigkeit, von der es abhängt, wie gut Menschen ihre sonstigen Fähigkeiten – ihren Verstand und ihre Talente – zu nutzen verstehen. Emotionale Intelligenz setzt sich nach Goleman aus fünf emotionalen und sozialen Fähigkeiten zusammen:

Selbstbewusstheit als die Fähigkeit eines Menschen, seine Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu akzeptieren und zu verstehen sowie ihre Wirkung auf andere einzuschätzen

Selbstmotivation – die Fähigkeit, sich selbst anfeuern zu können, sich für die Arbeit oder ein Hobby einzusetzen und unabhängig von finanziellen Anreizen Mühe und Energie zu investieren

Selbststeuerung, also planvolles Handeln in Bezug auf Zeit und Ressourcen

Soziale Kompetenz – die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen, tragfähige Beziehungen und Netzwerke aufzubauen und zu pflegen

Empathie, also Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse anderer Menschen und die Fähigkeit, angemessen auf die emotionale Befindlichkeit anderer Menschen zu reagieren

Kids hopping
Foto: Allan Taylor / Unsplash

Emotionale Intelligenz: 5 Tipps für Eltern

Rede über Gefühle

Was bedeutet es, wenn jemand das Gesicht verzieht? Warum soll man Leuten mit denen man spricht in die Augen schauen? Erkläre Kindern, dass man nicht nur mit Worten sprechen kann, sondern auch mit der Körperhaltung, Mimik, Tonfall und Gesten. Ermutigen Sie Ihr Kind, seine Gefühle, auch die „negativen“ wie Wut oder Traurigkeit in Worte zu fassen. Allerdings können Kinder erst mit 10 Jahren wirklich zuhören und Empathie für die Bedürfnisse und Gefühle anderer empfinden.

Habe keine Angst, Forderungen zu stellen

Ohne Anstrengungen geht es nicht im Leben. Deshalb müssen Kinder zeitig genug lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Fordere Kinder ruhig mal: Die Spülmaschine ausräumen, kleinere Besorgungen machen oder Unkraut jäten, sind keine Zumutungen.

Lobe Bemühungen

Bis zum Alter von sieben Jahren können Kinder nicht zwischen Bemühen und Fähigkeit unterscheiden. Sie vertrauen ihren Fähigkeiten blind. Erst danach sind sie in der Lage, realistisch einzuschätzen, was sie können und was nicht. Die Erkenntnis, dass Anstrengung Fähigkeit ausgleichen kann, ist für ein Kind ein entscheidender Schritt. Deswegen ist es wichtig, ab Schuleintritt ihr Bemühen und ihre Anstrengung mehr zu belohnen als ihre Leistungen. So lernen Kinder, dass sich Einsatz in jedem Fall lohnt.

Little boy crying
Foto: Nathan Dumlao / Unsplash

Lebe vor, wie man Emotionen kontrolliert

Nicht alle Gefühle kann man ungebremst äußern. Kindern fällt es besonders schwer, Gefühle wie Wut und Aggressionen zu beherrschen, wenn ihnen ein Wunsch verweigert wird. Das lässt sich schon bei Jüngeren Kindern trainieren, indem Du zum Beispiel dem Bedürfnis nach Süßigkeiten nicht sofort nachgeben.

Sei ein gutes Vorbild

Auch Du kurz vorm Durchdrehen bist– behalte Deine Emotionen unter Kontrolle und bleibe gelassen. Wenn die Sicherungen doch einmal durchbrennen, erkläre Deinem Kind die Situation und wie es dazu kam. Aber überforder Dein Kind nicht damit.

 

Women with kids on sofa
Foto: Krakenimages / Unsplash

Drei Dinge die mir an dir gefallen …

So geht’s: Die Kinder sitzen im Stuhlkreis. Der Spielleiter erteilt dem ersten Kind das Wort. Dieses Kind hat nun die Aufgabe ein anderes auszuwählen und drei Dinge zu nennen, die ihm an diesem Kind besonders gut gefallen; das kann eine Charaktereigenschaft sein – “Ich mag es, dass du immer so fröhlich bist” – aber auch ein äußerliches Kennzeichen – zum Beispiel „Deine lustigen Sommersprossen gefallen mir besonders gut”. Wurden drei Dinge genannt, ist das Kind an der Reihe, dass zuvor mit „Komplimenten“ bedacht wurde. Es wählt ein weiteres aus und nennt drei Dinge die es an diesem mag.

Gespielt wird bis alle Kinder an der Reihe waren.

Das Ziel: Komplimente tun gut. Sie stärken das Selbstwertgefühl und motivieren. Sie auszusprechen fällt Kindern und vor allen Dingen Jugendlichen, allerdings nicht immer ganz leicht. „Du Blödmann“ geht ihnen leichter über die Lippen als „Du bist nett!“ Durch dieses Spiel sollen die Kinder erleben und lernen wie schön es ist, mit netten Worten bedacht zu werden und wie gut es sich anfühlen kann, anderen etwas Freundliches zu sagen.

Tipp: Wenn es den Kids sehr schwer fällt, etwas Nettes zu seinem Gegenüber zu sagen, dann können sie die Komplimente auch auf einen Zettel schreiben und überreichen.

 

Die drei Siebe des Sokrates – Wahrheit – Güte – Notwendigkeit

Einst wandelte Sokrates durch die Straßen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“ „Warte einmal, „unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht. „Lass es uns ausprobieren,“ schlug Sokrates vor.

„Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“

„Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“ „

Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“ (Stangl, 2021).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2021). Die drei Siebe des Sokrates – Wahrheit – Güte – Notwendigkeit – arbeitsblätter news. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/die-drei-siebe-des-sokrates-wahrheit-gute-notwendigkeit/ (2021-04-12).

 

 

 

 

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