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Kidslife · das Elternmagazin

Streaming-Angebote für Kinder – Medienexperte gibt Tipps für Eltern

Thomas Feibel
Medienexperte für Jugendschutz: Thomas Feibel. © Hoffotografen

Streaming gehört heute für die meisten Kinder – bereits im Kleinkindalter– ganz selbstverständlich zum Freizeit-Alttag, wie früher nur das Fernsehen.  Selbst die Kleinsten sind bereits an die Nutzung von Smartphones und Tablets gewöhnt und Eltern können der Aussicht auf die wohltuende Ruhe, die sich einstellt, wenn nörgelnde Kleine endlich die Geräten vor sich haben, oft nicht widerstehen.

Die bunte und stets verfügbare Welt der Streamingdienste für Kinder , wie z. B. DisneyPlus.com, ermöglicht es, schöne und kindgerechte Filme und Serien zu finden. Doch sie erfordert von Eltern auch eine Menge Medienkompetenz und Verantwortung. Wir haben dazu für Euch mit dem Medienexperten Thomas Feibel gesprochen. Thomas Feibel betreibt das Büro für Kindermedien in Berlin und arbeitet als freier Journalist, u. a. für Stiftung Warentest, c’t. Familie & Co.

Wie stehen Sie zu Streaming Angeboten?

Kaum etwas hat das Sehverhalten von Erwachsenen und Kindern so stark verändert wie das filmische Angebot von Streamingdiensten. Wer Streamingdienste nutzt, muss sich nicht länger nach dem festen inhaltlichen und zeitlichen Diktat des linearen Fernsehens richten, sondern kann vollkommen frei entscheiden, wann und was geschaut wird. Die Inhalte versprechen meist über einen längeren Zeitraum einen verlässlichen Zugriff. Für Kinder haben Streamingdienste darüber hinaus den Vorteil, dass sie nicht mit Werbung behelligt werden. Eltern sind natürlich mit jenen Streamingdiensten besonders gut beraten, die altersgerechte Inhalte bieten und großen Wert auf Jugendschutzeinstellungen legen.

Warum ist es wichtig, dass es Bereiche für Kinder und für Erwachsene gibt?

Getrennte Bereiche für Kinder und Erwachsene sind sehr wichtig, denn sie schützen Kinder vor Inhalten, für die sie noch nicht alt genug sind. Besonders jüngere Kinder können durch Filme und Serien, die nicht für ihr Alter geeignet sind, überfordert werden oder Angst bekommen. Darum empfinden die meisten Kinder geschützte Zugänge und Kindersicherungen auch nicht als Restriktion, wenn ihnen ihre Eltern früh vermitteln können, dass sie so nur auf Inhalte zugreifen, die speziell für ihr Alter und ihre Reife gedacht und gemacht worden sind. Eltern wiederum erhalten Zugriff auf Medien, die eigens für die Zielgruppe Erwachsene entwickelt wurden. Kinder verstehen das, wenn wir es ihnen so erklären.

Was sind die wichtigsten Punkte, auf die Eltern beim Streamen achten sollten?

Beim klassischen Fernsehen besitzen feste Sendezeiten auch einen starken Ritualcharakter. Darum sind oft bestimmte Sendungen mit bestimmten Uhrzeiten konnotiert, die Eltern gut im Blick und die ein Ende haben. Bei Streamingdiensten sollten Eltern deshalb feste Nutzungszeiten vereinbaren und deren Einhaltung kontrollieren. Denn wenn meist alle Folgen einer Serie sofort zur Verfügung stehen, fällt es Kindern deutlich schwerer, sich ihrem Sog zu entziehen. Sie sind dann auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen, da sie noch nicht über Selbstregulation verfügen und in der Mediennutzung jegliches Zeitgefühl verlieren. Haben Kinder eigene Geräte wie Notebooks, Tablets oder Smartphone, die sie alltäglich für Hausaufgaben und Kommunikation nutzen, ist natürlich die ständige Verführung zum Serienschauen besonders groß. Damit Kinder und Jugendliche nur an Inhalte gelangen, die für ihr jeweiliges Alter geeignet sind, sollten Eltern die Jugendschutzmaßnahmen nutzen und die Einstellung der Altersfreigaben vornehmen.

Tipp der Redaktion: Lies dazu auch unseren Beitrag hier.

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