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Kidslife · das Elternmagazin

Sommerurlaub im Salzburger Saalachtal

Bild von Gerhard Gellinger auf Pixabay

Glückliche Kühe, blühende Wiesen, glasklare Bäche und Seen: Habt Ihr auch schon einmal daran gedacht, den Sommer als Familie in den Alpen zu verbringen? Brigitta aus Mainz und ihre Tochter Mona, 8, haben  einen Sommerurlaub in den Salzburger Bergen für uns getestet und waren begeistert von den verschiedensten Möglichkeiten, die hier für Große und Kleine zur Wahl stehen, ob Sport, Wandern oder Erholung. Sie haben während Ihrer Reise an vielen verschiedenen Angeboten und Ausflügen teilgenommen und berichten Euch hier von Ihren Erlebnissen. Den vollständigen Bericht zu ihrer Reise samt Unterbringung findet Ihr hier.

Besichtigung der TEH Naturwerke

TEH steht für Traditionelle Europäische Heilkunde . Das Heilwissen der Pinzgauerinnen zählt zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Dieses Wissen wird hier dokumentiert und es gibt eine zehnmonatige Ausbildung zum TEH Praktiker. Der TEH Verein verkauft seine Produkte im alten Zollamt Steinpass in Unken, nahe der deutschen Grenze. Früher verlief die Grenze sogar in dem Gebäude. Wir wurden herzlich empfangen und guckten uns zunächst den interessanten Laden an (es gibt auch einen Onlineshop).

Während es draußen in Strömen schüttete, war es hier heimelig und duftete wunderbar nach Kräutern und Seifen. Wir verkosteten Duftrosensirup mit Wasser, und stellten dann unter Anleitung eine Heilsalbe her. Die wichtigste Zutat war das sogenannte Pech. Das ist Baumharz, im Pinzgau meist von Fichten geerntet. Mit Harz heilt der Baum bekanntlich seine Wunden und auch bei uns wirkt es antibakteriell und wundverschließend. Es ist gut bei Schürfwunden sowie zum Wärmen der Füße im Winter. Nur pur ist es auf der Haut nicht zu empfehlen.

Die Kinder halfen mit, nach Rezept Pech, Öl, Kräuter und Wachs abzuwiegen. Die Zutaten wurden erhitzt, verrührt und dann abgefüllt in Döschen. Alles der Tradition nach ohne Metallverwendung, sondern mit Emaillegeschirr, Holzlöffeln und Baumwollsäckchen. Die Salbe duftet angenehm und lässt sich gut verreiben.

Wanderung zum Staubfall im Heutal

Wir trafen uns am malerisch gelegenen Heutaler Hof und wanderten als erstes über den glasklaren Fischbach, in dem sich Forellen tummelten. Wir sahen Pferde grasen und weidende Heumilchkühe. Rasch waren wir im Wald, was die Kinder sehr spannend fanden. Sie ernteten Pech von den Fichten und bekamen klebrige Finger. Der Fischbachfall brauste laut herab und speiste Becken. Hier in den wilden Wassern wird auch Canyoning betrieben. Der Weg wurde dann sehr schmal und etwas anspruchsvoller, so dass man hinter einander gehen musste. Es gab auch Geländer, da es seitlich recht abschüssig war. Da ist unser Ziel: Laut rauscht der vom gestrigen Regen gut gespeiste Staubfall 200m herab. Er gilt als Naturdenkmal. Die Kids staunen und dürfen nun sogar mit den Eltern hinter dem gischtspritzenden Wasserfallvorhang durchspazieren. Das war sehr beeindruckend für alle. Auf der anderen Seite steht gleich ein Schild – das ist die Grenze zu Deutschland. Alle wollen kurz nach Deutschland und dann wieder rüber nach Österreich und nochmal unter dem Wasserfall durch. Mona entdeckte gegenüber in den Felsen hoch oben eine kletternde Gams. Dann ging es zurück zum hübschen Heutaler Hof, wo die Kinder den Tipp bekommen, mit Butter das Pech von den Fingern zu reiben (es funktioniert).

Bogenschießen beim Heutaler Hof und Einkehr

Ich mag Bogensport sehr und wollte eigentlich auch diesmal nicht mehr damit aufhören. Beim ersten Schuss traf ich sogar voll in die Mitte! Es gab auch Linkshänderbögen und kleinere für die Kinder. Die Kids waren sehr ehrgeizig und es floss bei den Jüngeren auch das eine oder andere Tränchen, wenn sie nicht trafen, sondern der Pfeil im Gras landete. Mona war stolz, auch mal in die Ringe auf der Zielscheibe zu treffen und hatte die nötige Geduld. Der Chef des Heutaler Hofes zeigte jedem aus der Gruppe, worauf man zu achten hat. Er ist seit über 25 Jahren begeisterter Bogensportler und sieht übrigens Gerard Depardieu verblüffend ähnlich. Am allerwichtigsten war, dass man erst auf Kommando loszielen durfte und niemals auf Menschen geschossen wird. Auch durften die Kinder nicht einfach losrennen, wenn andere noch Pfeile zu verschießen hatten. Das Einsammeln der Pfeile machte anscheinend genauso viel Spaß wie das Schießen.

Nun waren alle hungrig und wir gingen gegenüber in das Heutaler Hof- Restaurant. Es gibt dort einheimische und internationale Spezialitäen – sehr lecker! Da es quasi ausgebucht war, mussten die einen oder anderen leider länger auf ihr Essen warten. Die Kinder vertrieben sich die Wartezeit auf dem dazugehörigen, schönen und großen Spielplatz. Das Heutal ist ein Hochtal und liegt in 1000 m Höhe. Sommers wie winters kann man hier urlauben.

Besuch am Biobauernhof Perchthof in Unken

Die Kinder freuen sich, eine zahme junge Heumilchkuh streicheln zu dürfen. Es gibt hier auf dem Perchthof nur 10 Kühe, die ihre Hörner übrigens behalten durften. Sie dürfen auf die Weide und fressen saftiges Gras und Kräuter. Im Winter dann das Heu – die Fütterung ist seit Jahrhunderten an den Lauf der Jahreszeiten angepasst. Sie bekommen nichts Vergorenes, keine Silage, erklärt uns die Biobäuerin, Frau Haider.

Die wirklich leckere Heumilch ist eine traditionelle Spezialität. 500 Hühner gibt es auch, die Kinder dürfen eines streicheln. Sie haben gesundes Gefieder und Auslauf auf einer großen Wiese. Der Perchthof ist ein sogenannter Erbhof und die Familie betreibt ihn schon seit ca. 300 Jahren. Wir bekommen eine Führung durch den Kuhstall und sehen die Melkmaschinen, die gekühlte Milch im Tank und die Käseproduktion (Mozarella und Frischkäse). Die Kinder dürfen bei einem künstlichen Euter das Melken ausprobieren und bekommen von Frau Haider bei einem Sortierspiel gezeigt, aus welchen Nährstoffen die Heumilch besteht.

Mona macht das alles viel Spaß und auch das Klettern mit den anderen Kindern auf einem großen Nussbaum. Es gibt für sie ein Heumilch- Rezeptheft „Kinderküche“ und für uns Große eines für Erwachsene. Die Kinder stellen mit der Bäuerin eine „Jause“ aus Heumilch- und Bioeierprodukten her und der Frischkäse in verschiedenen Varianten auf im Hof frisch gebackenem Brot schmeckt köstlich und auch die Biskuittörtchen mit Topping und Beeren. Im Bio- Hofladen kaufe ich für Mona noch einen Salbeibalsam zum Einreiben gegen ihren Husten.

Besichtigung der Lamprechtshöhle mit Schatzsuche

Auf die Lamprechtshöhle freute sich Mona genau so wie auf den Staubfall, denn sie liebt abenteuerliche Unternehmungen. Die Höhle gehört neben der Vorderkaser- und der Seisenbergklamm zu den drei „Saalachtaler Naturgewalten“ und ist auch ein Naturdenkmal. Sie ist mit 51 km Ausdehnung eine der größten Höhlen Europas. Wir begnügten uns mit einem 700 m Spaziergang und hatten dazu festes Schuhwerk sowie warme Kleidung an. Jedes Kind bekam für die Schatzsuche eine Taschenlampe.

Insgesamt überwanden wir eine Höhendifferenz von 70 m und es wurde rasch ziemlich kühl, 8 Grad nur noch. Die Kinder staunten, dass es mehrere Fledermausarten in der Höhle gibt und viel fließendes Wasser. Etwas gruselig war es, als sie auf der Schatzsuche den Grund der schwarzen Kreuze an den Felswänden erfuhren. Dort wurden früher Skelette von Menschen gefunden, die in der Höhle tödlich verunglückt waren.

Wenn man in der Höhle ist und es regnet draußen ganz stark, schwillt auch heute noch der Bach in der Höhle an und man muss dann entweder raus oder auf eine bestimmte Höhe aufsteigen. Heute gibt es für den Fall ein Warnsystem- rote Lichter und Hinweistafeln. Die Kids suchten mit einer netten Höhlenführerin nach Holztruhen, in denen Fragen zu finden waren. Am Ende bekamen alle hübsche Katzengoldklumpen geschenkt.

 

Essen und Spielen an der Jausenstation Vorderkaser

Wir machten an der Jausenstation halt für das Mittagessen. Das Restaurant ist zurecht berühmt für seinen ausgezeichneten Kaiserschmarrn. Ich nahm Marillenröster und Puderzucker auf meinen, Mona mag eher Trennkost. Daher für sie frische Beeren in einer Extraschüssel dazu. Mona und die anderen spielten dann noch auf dem tollen Abenteuerspielplatz, in einer Spielehütte und unten am Bach. Dort baute Mona mit ihrem Freund Konstantin und dessen Schwester Staudämme aus Steinen und hatte eine sandige kleine Insel nur für sich.

Um noch die bekannte Vorderkaserklamm zu durchlaufen, war das Wetter leider zu schlecht, Aber es wartete einen Ort weiter das schöne Familienfest auf uns.

Besuch des Saalachtaler Familienfestes

Am 2.8.19 fand das dritte Saalachtaler Familienfest statt. Die Attraktionen sind stets kostenlos.

Hier gab es viel zu erleben: Bogenschießen, Bungeetrampolin, ein kleines Kettenkarussel, Rodeo- Bulle Alonso, Kinderquadbahn, Riesenwasserrutsche, Hüpfburgen, ein Feuerwehrauto von innen bestaunen, Kletterturm, Zauberclown Pedro und ein Water-Run-Becken mit mehreren begehbaren Kugeln. Mona und Konstantin probierten als erstes die Hüpfburgen und eine aufblasbare Rutsche aus.

Dann waren sie anderthalb Stunden völlig konzentriert und „abgemeldet“. Der Grund war der sympathische Franz Lenz mit seinem selbst erdachten und -hergestellten Konstruktionsspielzeug aus Holz. Die „Techno- Line“ Bauklötze fördern die Kreativität und das technische Verständnis von Kindern. Mona und Konstantin entwickelten unter anderem eine Klötzchenwurfmaschine, auf der beide Platz hatten.

Danach ging Mona mit großem Respekt auf den elektrischen Bullen „Alonso“ zu, vor malerischer Bergkulisse. Mona hatte bald den Dreh raus und hielt sich ein paar Runden wacker. Bevor Alonso zu wild bockte, warf sie sich lieber selbst auf die weichen Matten ab.

Wanderung in der Almenwelt Lofer, entlang des Wasserfallweges bis zur Mittelstation

Am letzten Tag hatten wir noch eine besonders tolle Wanderung über die Almenwelt Lofer vor uns. Sie soll Österreichs schönste Skialm sein. Das Wetter hielt dann bis zur Jause, obwohl es an dem Vormittag wirklich schlecht angesagt war. Wir fuhren zunächst mit der Almenbahn I und II bis oben auf die Alm, mit spektakulären Ausblicken hinunter zur Saalach, weit in die Loferer Steinberge und hinüber zu einer äsenden großen Hirschkuh, was uns begeisterte.

Zunächst hatten die Kinder Zeit, mal wieder auf einem tollen Spielplatz zu toben. Das Wanderziel war dann die Bergstation Loderbichl, wo wir zum Reiseabschluss dann einkehren wollten.

Der Wasserfallweg führt an vielen schönen rauschenden Bachstellen vorbei und es gibt hübsche Aussichtspunkte. 360 m Höhenunterschied waren zu bewältigen – zum Glück von oben nach unten. Hier hätte man wegen Unebenheiten wie Wurzeln und Steinen nicht gut einen Kinderwagen mitnehmen können – das Gruppenbaby war in der Trage bestens aufgehoben. Die Kinder (und wir Erwachsenen) waren direkt angetan von unserem Wanderführer Herrmann, der auch Kinder motivierte, oder auch mal die auf den Schultern trug, die zwischendurch nicht mehr wollten.

Er hatte 30 Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet und erzählte uns einige Dinge, die uns und die Kinder nachdenklich stimmten. Der Umgang mit Nutztieren, die nicht wie hier auf der malerischen Alm glücklich weiden und herumlaufen dürfen, der zu hohe Fleischkonsum pro Kopf, warum die Kühe ihre Hörner natürlicherweise brauchen etc. Die Kinder durften eine liegende Almkuh mit Herrmann streicheln. Dazu sprach oder sang er zur Beruhigung immer mit der Kuh. Später versuchte er, uns ein wenig Jodeln beizubringen – bei ihm klang es definitiv am schönsten.

Verschiedene Wasserfälle und Aussichtspunkte wechselten sich ab mit Naturbeobachtungen: Ein riesiger Ameisenhaufen war höchst interessant und noch mehr ein schwarzer, glänzender Alpensalamander, der vor uns den Weg kreuzte. Keiner durfte ihn anfassen und die Kids sollten ihn in Ruhe lassen, das war klar. Die Kinder lernten wieder, dass man auf manchen Strecken wegen Abschüssigkeit oder rollendem Kies achtsam sein muss und an engen Stellen höchstens zwei Personen vorsichtig nebeneinander laufen konnten.

Schließlich kamen wir an der Bergstation an, wo es ins Restaurant ging und die Kinder noch auf einem weiteren Spielplatz mit Kletteraction spielten. Das Essen war himmlisch, ich bestellte Käsespätzle und eine Heumilch von der Alm und Mona selbstgebackene Pizza Margharita nebst Almdudler. Dann hieß es Abschied nehmen, erst von Herrmann, dann von einer Familie, die noch oben blieb und schließlich von den anderen netten Teilnehmerfamilien.

 

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