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Kidslife-Magazin · Leben mit Kindern

Soziale Netzwerke und Kinder

Kidslife Gesprächsrunde

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Social Networks – wie wichtig sind für die Kids von heute facebook, SchülerVZ, ICQ und Co.?

Fünf Teenager in einem Raum und weit und breit kein PC – geht das überhaupt? Nach Meinung der KidsLife Jugendlichen ist das praktisch unmöglich, deshalb befinden sich auch bei zwei der fünf Gesprächsrundenteilnehmern Laptops auf den Schössen, während die anderen wie gebannt auf die Bildschirme starren. Warum das so ist und Facebook, SchülerVZ und Co. sogar „lebenswichtig“ sein können, darüber habe ich mich mit Jamie (15 Jahre), Sven (14 Jahre), Darleen (13 Jahre), Sophie (13 Jahre) und Pauline (12 Jahre) unterhalten.

Antje Szillat:

Wer von euch ist in einem Social Network wie zum Beispiel SchülerVZ oder Facebook?

Alle nahezu gemeinsam: ICH!

A.S.: Also 100%. Die Quote liegt bei um die 80% der Schüler eures Alters, die in einem oder sogar mehreren Social Networks sind. Warum ist das eurer Meinung nach so?

Darleen: Weil es einfach dazu gehört. Es ist ein Teil unseres Lebens. Ich treffe mich dort mit meinen Freunden, chille und verbringe Zeit mit ihnen. Ohne SchülerVZ und ICQ würde mir was fehlen. Ich wüsste überhaupt nicht, was ich machen sollte.

Pauline: Genau. Man ist einfach viel mobiler und flexibler. Kann sich jederzeit austauschen und bekommt mit, was die anderen so machen. Ich finde das sehr wichtig.

Sven: Na ja, ich finde es auch schon wichtig, bei SchülerVZ oder ICQ zu sein. Man lernt neue Leute kennen und hat zu vielen Leuten Kontakt. Aber bei mir hält sich das in Grenzen.

Jamie: Also ich finde die Social Networks sehr wichtig. Ich kann mich mit meinen Freunden jederzeit austauschen und muss sie dazu noch nicht einmal persönlich treffen.

Sophie: So läuft das heute eben, nach der Schule kann man sich mit den anderen ganz locker on treffen und steht mit jedem so jederzeit in Kontakt.

Group Of Three Girls Using Laptop At Home
Foto: shotshop

A. S.: Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann geht es euch in erster Linie darum, andere zu treffen und euch mit ihnen auszutauschen. Aber das könnt ihr doch auch ohne Facebook, SchülerVZ und Co., indem ihr euch persönlich trefft oder telefoniert.

Jamie: Wir leben doch nicht mehr in der Steinzeit. Heute läuft das eben total anders ab. Und außerdem was wäre das denn für ein Zeitaufwand. Meine Freunde wohnen überall verstreut und manche sonst wie weit weg. Es wäre quasi überhaupt nicht möglich, mit jedem von denen Kontakt zu haben.

Darleen: So ist es bei mir auch; meine beiden Cousinen zum Beispiel kann ich nur ganz selten sehen. Aber über SchülerVZ oder ICQ kann ich ständig mit ihnen in Kontakt stehen. Das ist doch genial.

Sven: Außerdem wenn man einen von seinen Freunden treffen will, dann sind die sowieso on. Das ist doch inzwischen völlig normal.

Pauline: Es ist ja nicht so, dass ich nur bei SchülerVz oder ICQ on bin. Ich treffe mich auch persönlich mit meinen Freunden und mache jede Menge andere Sachen. Aber im Internet chatten macht mir einfach auch richtig viel Spaß.

Darleen: Ich schaue mir zum Beispiel auch gerne Musikvideos im Internet an oder bearbeite meine Fotos. Also das Internet besteht für mich nicht ausschließlich aus Schüler VZ, Facebook und ICQ. Ich recherchiere auch oft für die Schule oder wenn ich sonst irgendwelche Informationen benötige.

Jamie: So ist das bei mir auch. In meiner Klasse ist eigentlich jeder bei SchülerVZ. Ein Mädchen war lange Zeit nicht, weil ihre Eltern es ihr verboten hatten. Die war dadurch regelrecht außen vor, weil einfach viele Dinge erst nach der Schule ablaufen – im Internet.

Sven: Ich denke ganz einfach, dass ich ohne das Internet gar nicht so viele Leute kennengelernt hätte. Ich habe so auch Kontakt zu Mitschülern bekommen, der niemals im „echten“ Leben zustande gekommen wäre.

Sophie: Das stimmt, man lernte die anderen leichter kennen.

Darleen: Genau. Ich habe dadurch auch zu den Freunden meiner Cousinen Kontakt. Sogar zu zwei Mädchen in Amerika. Das wäre doch ohne Internet nie passiert. Es ist doch total cool, wenn man weiß, dass man mit jemanden chattet, der sich gerade am anderen Ende der Welt oder so befindet. Also ich finde das wirklich genial.

Sophie: Und man ist immer auf dem Laufenden. Egal worum es geht.

Antje Szillat: Das hört sich ja alles sehr gut und total locker an. Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus? Fühlt ihr euch sicher in diesen Netzwerken und wisst ihr wirklich immer mit wem ihr es zu tun habt?

Darleen: Nein, sicher kann man im Internet nie sein. Bestimmt nicht. Dafür treiben sich zu viele abartige Typen dort herum. Das ist mir schon klar. Ich achte auch sehr genau darauf, was ich über mich veröffentliche. Keine Adresse, Telefonnummer oder vollständiger Name. Und auch Fotos sind eigentlich tabu.

Pauline: Das ist bei mir ganz genauso. Ich verrate nichts über mich, was mir irgendwie zum Verhängnis werden könnte. Ich habe schon einige schlimme Sachen mitbekommen und bin deshalb sehr vorsichtig.

Sven: So hundertprozentig sicher kann man sich bestimmt nicht sein. Ich chatte deshalb auch nur mit Leuten, von denen ich ganz bestimmt weiß, dass sie „echt“ sind. Also kein gefaktes Profil hinter dem sich irgendein Perverser befinden könnte. Da achte ich schon sehr drauf. Ich weiß natürlich auch, dass man die Profile knacken kann. Es gibt schon so einiges, was nicht so toll daran ist. Trotzdem fühle ich mich recht sicher, weil ich mich – denke ich – inzwischen ganz gut auskenne und nicht auf irgendeinen Mist reinfallen würde.

Darleen. Bestimmt haben das Internet und diese ganzen Netzwerke nicht nur Vorteile. Ich habe auch schon mitbekommen, dass ein Mädchen ganz übel übers Internet, also bei SchülerVZ, gemobbt wurde.

Sophie: Ja, ich auch. Da wurden sogar eine „Hassgruppe“ gegründet gegen ein Mädchen und alle wurden aufgefordert, dieser Gruppe beizutreten. Egal ob sie das Mädchen nun kannten oder nicht. Das ist echt voll daneben und bei so etwas mache ich bestimmt nicht mit.

Pauline: Stimmt. So etwas passiert leider sehr oft. Ich habe da auch schon einiges von mitbekommen. Aber ich versuche mich immer aus solchen Stresssachen rauszuhalten und achte eben sehr darauf, dass ich nur mit Leuten zu tun habe, mit denen ich auch sonst zusammen bin.

Darleen: Ich habe auch schon mal ganz komische Anfragen von so einem Typ bekommen und das sofort gemeldet. Klar muss man schon sehr vorsichtig sein. Aber davon lasse ich mir die Freude und den Spaß am Internet nicht verderben.

Jamie: Zu meinen „Freunden“ gehören deshalb auch nur Leute, die ich kenne. Also Mitschüler und so. Wenn ich eine Anfrage (gerade bei Facebook) von jemand bekomme, den ich nicht kenne, dann ignoriere ich die einfach. Ich habe auch schon mal jemanden nachträglich gelöscht, weil der nur Mist gepostet hat. Und komische Fotos von mir würde ich auch nicht ins Netz stellen. Neulich habe ich eine Geschichte gehört, da hat ein Junge ein paar Spaßfotos von sich bei Facebook eingestellt und deshalb seinen Ausbildungsplatz verloren. Man muss sich schon darüber im Klaren sein, das Internet ist sehr transparent und vergisst nie. Hinterher was wieder rauslöschen ist manchmal fast unmöglich. Deshalb setze ich erst gar nichts rein, was mit später vielleicht mal schaden könnte.

Sophie: So sehe ich das auch. Ich bin sehr vorsichtig und überlege mir ganz genau, was ich von mir verrate und vor allen Dingen wem. Ansonsten will ich Spaß haben und mich nicht über irgendetwas ärgern müssen. Und schon mal gar nicht übers Internet.

Pauline: Das Internet mit seine ganzen Vorteilen und leider auch Nachteilen gehört zum heutigen Leben dazu. Deshalb muss man bestimmt gut aufpassen, aber auch nicht auf das Internet und Co. verzichten. Menschen, die allerdings der Meinung sind, das Internet ist einfach nur ein „Kasten“ und da kann ganz bestimmt nichts „Böses“ herauskommen, die sind leider echt viel zu naiv.

Darleen: So sehe ich das auch. Und wenn einem etwas komisch vorkommt, dann sofort melden. Und ganz genau aufpassen, dass man nicht zu viel von sich selbst verrät. Na ja und nur mit Leuten in Kontakt sein, die man auch im „echten“ Leben kennt, also von denen man ganz genau weiß, dass es sich nicht um irgendeinen Perversen handelt oder so.

Sven: Wenn man das alles beachtet – und das ist ja leider so, dass man das muss – dann ist das alles aber ein riesiger Spaß – finde ich.

Jamie: Und wenn es einem zu blöd wird, dann kann man sich ja einfach wieder abmelden oder mal ne Zeit lang nicht on sein. Die Wahl hat man zum Glück ja. Aber ich fürchte, ich würde ganz schön was vermissen.

Darleen: Ich auch. Aber es ist schon gut zu wissen, dass man einfach und jederzeit den PC ausstellen kann.

siehe auch: http://www.kidslife-magazin.de/netzwerke