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Kidslife · das Elternmagazin

Baby-Shiatsu: sanfte Griffe für einen guten Start ins Leben

Foto: Monika Werneke

Baby-Shiatsu ist eine besondere Art, kleinen Wesen mit Berührungen Aufmerksamkeit zu schenken und die Beziehung zu ihnen zu vertiefen. Mehr noch, durch die leicht erlernbaren Techniken im Baby-Shiatsu können Eltern auch Probleme mit dem Einschlafen oder der Verdauung lindern.

Drück mich mal, aber bitte richtig

Liebevolle Berührungen sind das erste Mittel, mit dem Eltern Kontakt zu ihrem Baby herstellen und es in der Welt willkommen heißen. Nach Erkenntnissen der Entwicklungsphysiologie fördert die wortlose „Sprache“ der Berührung. gerade  in den ersten Lebensjahren, die Entwicklung des Babys und stellt die Weichen für das weitere Leben. Deshalb ist es wichtig, Kindern frühzeitig durch Berührung Geborgenheit und Vertrauen zu schenken.

Um mehr über Baby-Shiatsu zu erfahren, haben wir mit der Buchautorin und Kursleiterin Karin Kalbantner-Wernicke, gesprochen, die bereits über 30 Jahre Erfahrung mit der fernöstlichen Technik verfügt.


Liebevolle Berührung ist die erste Sprache zwischen Mutter und Kind.
Foto: Monika Werneke


Was ist Baby-Shiatsu – und wie hat es sich entwickelt?

 „Meine Mutter hat schon auf diese Weise behandelt und es wirkt.“ Diesen Satz hörten mein Mann und ich immer wieder als wir vor fast 40 Jahren in Japan bekannte Shiatsu-Praktiker besuchten, die sich auf die Behandlung von Babys und Kindern spezialisiert hatten.

Der eigentliche Ursprung lässt sich nicht so genau bestimmen, da die Techniken vom Baby-Shiatsu von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Bereits zu Beginn des 18. Jhds. wurden in Japan Techniken für die Baby- und Kinderbehandlung beschrieben, die denen von Baby-Shiatsu ähnlich sind.

Damit sich jedoch eine solche Methode heute durchsetzen konnte, bestand die Notwenigkeit, deren Wirkungen genauer zu beschreiben.  Wir nahmen die fernöstlichen Techniken als Grundlage und ergänzten die japanische Praxis durch westliches Wissen – insbesondere das aus der Bindungs- und Entwicklungsforschung. So entstand ein modernes Baby-Shiatsu, das heute weltweit gelehrt wird.

Auch hat es, und das freut uns ganz besonders, seinen Weg zurück nach Japan gefunden. In Österreich ist man mittlerweile so weit, dass eine Krankenkasse Baby-Shiatsu-Kurse anbietet. Und in Deutschland ist das Ausbildungsprogramm Baby- und Kinder-Shiatsu bereits universitär zertifiziert.

Was bewirkt Baby-Shiatsu?

Baby-Shiatsu basiert auf einem ausführlichen Entwicklungskonzept. Es geht im Kern darum, die äußerst wertvolle, prägende Zeit im frühen Stadium der kindlichen Entwicklung für den Aufbau eines stabilen Fundamentes optimal zu nutzen, um nachhaltig die Zukunft des Kindes positiv zu beeinflussen.

Ziel ist also nicht die Förderung, um Entwicklungsschritte zu beschleunigen, sondern Baby-Shiatsu bietet kindgerechte Bewegungsanregungen, die Babys in ihrer Bewegungserfahrung unterstützen.

Auch bei Befindlichkeitsstörungen kann die Behandlungsmethode eine echte Hilfe sein. Oft genügen kleine Anregungen, um den Prozess einer Selbstregulation in Gang zu setzen – etwa wenn das Baby nicht gut schläft, unruhig ist oder Bauchweh hat.

Foto: Monika Werneke

Baby-Shiatsu ist nicht nur etwas fürs Baby sondern tut der ganzen Familie gut. Auch für Eltern und für Geschwisterkinder gibt es einfache Techniken, die sie in der ersten Zeit mit dem Baby stärken.

Mögen alle Babys diese Technik?

Ich glaube es gibt keine Technik, die für alle gleichermaßen passt. Aber gerade den achtsamen sanften Druck, den wir im Baby-Shiatsu ausüben, lieben viele Babys und auch größere Kinder. Für sie fühlt sich das sicher und vertraut an. Das mag daran liegen, dass sie Druck aus der Zeit in der Gebärmutter kennen und Druck ihnen deshalb Sicherheit vermittelt. Gerade bei durch Kaiserschnitt entbundenen Kindern beobachten wir, dass sie ganz besonders Druck und Begrenzung suchen.

Kann man auch Problembabys, die viel schreien, damit beruhigen?

Ja, aber hier ist es wichtig genau hinzuschauen, was eventuell die Ursache sein könnte. Gerade Babys, die berührungsüberempfindlich sind oder leicht schreckhaft, lassen sich mit Baby-Shiatsu besonders gut beruhigen. Während Babys, bei denen ein KiSS-Syndrom vorliegt,andere Methoden hilfreich sind. Hier bewährt sich die sanfte japanische Kinderakupunktur Shōnishin, bei der ohne Nadeln gearbeitet wird.

Kann man beim Baby-Shiatsu auch etwas falsch machen?

Ein wichtiges Ziel im Baby-Shiatsu ist auch, dass Eltern lernen die Botschaften ihres Kindes zu verstehen. Und solange das Baby zeigt, dass es sich wohlfühlt und genießt, kann man nichts verkehrt machen.

Können Eltern die Technik aus einem Buch lernen oder sollten sie besser einen Kurs belegen?

Ja, das Buch ist so angelegt, dass man die Techniken direkt umsetzen kann. Hier helfen auch die kleinen Kurzvideos, die ein interaktives Lesevergnügen ermöglichen. Aber natürlich hat es eine andere Qualität einen Kurs zu besuchen, sich mit anderen Müttern auszutauschen und durch die Kursleitung individuelle Fragen beantwortet zu bekommen.

Die Unterschiede zwischen Shiatsu und Massage erklären wir hier.

Hier kannst du Baby-Shiatsu auf Facebook folgen: https://www.facebook.com/BabyShiatsu.de

Hier gibt es weiter Infos zur Technik und zu Kursen:


Karin Kalbantner-Wernicke

Kinder-Physiotherapeutin und Shiatsu-Lehrtherapeutin. Schwerpunktarbeit mit Babys, Kindern und kindlicher Entwicklung.

Ihre Konzeption neuer Gesundheitsprogramme machte sie zu einer national und international bekannten Fachfrau. Seit über 30 Jahren bietet sie Ausbildungskurse in Europa, USA, Japan und Australien zum Thema Shiatsu für Erwachsene, Kinder und Babys an. Das von ihr entwickelte Samurai-Programm hat bereits in über 10 Ländern innerhalb und außerhalb Europas in Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen Eingang gefunden. Als Autorin von über 100 Veröffentlichungen und zahlreichen Fachbüchern, einige davon in mehrere Sprachen (auch Russ., Japan., Arab. ) übersetzt, ist sie Wegbereiterin eines dem heutigen Stand und Wissen angepassten Shiatsu bei Babys und Kindern und eine gefragte Expertin im Gesundheitsbereich.


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