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Kidslife · das Elternmagazin

Einzelkind – was ist dran an den Vorurteilen?

Einzelkind
Einzelkinder sind oft selbstbewusst – denn sie müssen nicht um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen- Foto: Pixabay

Einzelkinder –  beneidens- oder bemittleidenswert?

Einzelkinder sind egoistisch, verwöhnt, altklug und einsam – glaubt man der weit verbreiteten Meinung, sind die meisten von Ihnen schwierig und bedauernswert. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall – wenn Eltern rechtzeitig gegensteuern.

KidsLife sprach mit Prof. Hartmut Kasten, Psychologe und Pädagoge am Münchener Staatsinstitut für Frühpädagogik.

Woher kommen denn eigentlich die Vorurteile über Einzelkinder?

Historisch gesehen stammen sie vom Anfang des 20 Jahrhunderts., als Einzelkinder isoliert und nur auf Erwachsene bezogen aufwuchsen. Viele von ihnen entwickelten sich deshalb zu Außenseitern. Außerdem hatten früher die meisten Familien mehrere Kinder und Ein-Kind-Familien entsprachen nicht dem Normalfall. Dementsprechend wurden auch Einzelkinder als sonderlich eingestuft. Viele von uns haben es noch heute verinnerlicht, dass zu einem erfüllten Familienleben mehrere Kinder gehören.

Was ist denn von den positiven Eigenschaften zu halten, die Einzelkindern zugeschrieben werden? Demnach sind sie oft selbstbewusster, durchsetzungsfähiger, erfolgreicher und klüger als Kinder mit Geschwistern.

Auch das ist so ein Vorurteil, dass wir auf dem Friedhof der psychologischen Mythen begraben können. Die Ergebnisse diverser Studien aus der Vergangenheit sind doch sehr zu bezweifeln. Hier hat einfach eine extreme Verallgemeinerung die andere abgelöst. Richtig ist allerdings, dass Einzelkinder tatsächlich oft über ein gutes Selbstbewusstsein verfügen, da Ihnen stets die ungeteilte Aufmerksamkeit und Unterstützung der Eltern zuteil wird.

Einzelkind
Mädchen, ddie als Einzelkinder aufwachsen, werden oft freier erzogen als Jungen. Foto: Pixabay

Einzelkinder – wie erzieht man sie richtig?

Viele Einzelkind-Eltern wollen ihrem Kind auch Spielkamerad, Freund und Freizeitpartner sein. Halten Sie das für ein gutes Erziehungsideal?

Wenn Eltern es schaffen, ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Kindern aufzubauen und dennoch darauf zu achten gewisse Regeln aufzustellen, die die Kinder einhalten sollen, dann ist das in vielen Familien favorisierte demokratische Erziehungsideal erreicht. Nah dran zu sein am Leben und der Erziehungn des Kindes ist ja auch etwas Gutes – keine Frage. Doch müssen die Eltern aufpassen, nicht zu einer „Wunscherfüllungsmaschine“ zu werden, von der das Kind jedezeit alles bekommt, was es möchte.

Werden Jungen und Mädchen als Einzelkinder eigentlich geschlechtskonformer erzogen als Geschwisterkinder?

Nach meiner Erfahrung haben es weibliche Einzelkinder oft leichter als männliche. Ihre Eltern erziehen sie oft freier im Hinblick auf Geschlechterrollen. Vielen Vätern macht es z. B. Spaß, die Interessen ihrer Töchter für Naturwissenschaften oder technische Zusammenhänge zu fördern. Da haben es die männlichen Einzelkinder schon manchmal schwerer. Noch immer werden sie, auch von modernen Vätern, oft als Stammhalter der Familie angesehen und auch in diesem Sinner erzogen. Sie erwarten dann auch vom Sohn eher männliche Verhaltensweisen, die zu diesem Rollenbild gehören.

Lesen Sie auch hier: https://www.kidslife-magazin.de/leben-arbeiten/wenn-kinder-eigenbroetler-sind/

oder hier: https://www.huffingtonpost.de/2017/05/16/studie-gehirn-einzelkind-geschwister_n_16639944.html

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